Hans Graf Gartenbau CH- 3065 Bolligen; Garten-

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Die Geschichte der Gartenkunst

Manuskript von Hans Graf

D e r A e g y p t i s c h e G a r t e n

Die Anfänge aller Gartenkultur fallen mit der Sesshaftigkeit der Völker zusammen. Der Nomade treibt seine Herden auf die freie, nicht umzäunte Weide; sobald aber die erste Frucht, mit der Hacke bestellt, den Menschen zwingt, sich in festen Wohnplätzen anzusiedeln, wird und muss er seinen Fruchtplatz mit einem Zaun umgeben, um ihn vor dem Einbruch der feindlichen Menschen und wilden Tieren zu schützen. )l

Man kann die Gärten im alten Ägypten wie fast überall, wo es Gärten gibt, folgenden Zwecken zuordnen:

Der ägyptische Nutzgarten

Er tritt uns in Form von Parzellen entgegen, die in viereckige, durch eine Erdeinfassung voneinander abgegrenzte Beete aufgeteilt sind, in denen Gemüse angebaut wird. Man kann annehmen, dass diese Beete sehr klein waren und eine Seitenlänge von ca. 40 cm aufwiesen. (Noch heute können solche 'Pflanzblätze' im Sudan und wohl auch in Ägypten angetroffen werden.) Von grösseren Wirtschaftsgärten ist bekannt, dass sie in der Mitte ein zentral gelegenes Wasserbecken besassen, wo das nötige Giesswasser aufgestaut werden konnte.

Die Gemüsearten, die angepflanzt wurden, müssen recht vielfältig gewesen sein. Die ikonographischen Darstellungen zeigen allerdings nur Lattich (als Aphrodisiakum beliebt) und Zwiebeln.

Anschliessend findet man oft den Obstgarten. Die verwendeten Baumarten wie die Sykomore, Dattel- und Dumpalme, aber auch Granatapfel und ca. 20 andere Arten sind oft in Reihen, als Umfassungsalle oder einfach nur in Form eines Haines angepflanzt worden. Die Früchte wurden entweder frisch gegessen oder dienten der Weinerzeugung.

In den wenigsten Fällen war der Lustgarten ohne Nutzpflanzen ausgestattet. Die meisten dort verwendeten Bäume dienten zugleich auch der Obsterzeugung.

Eine bedeutende Stellung nimmt die Rebe in der ägyptischen Zivilisation ein. Sie ist die in den Gräbern des neuen Reiches am häuffigsten wiedergegebene Kulturpflanze, während das Motiv des Gemüsegartens völlig aufgegeben wird. Der Weinanbau erfolgte über Spaliere, wobei die Weinreben von langen horizontalen Stangen getragen wurden. Im Neuen Reich, im Garten der Villen und Paläste, wächst der Wein im allgemeinen auf der Pergola, die von papyrusförmigen Säulchen getragen wird. Wein wird allerdings nicht nur aus Trauben, sondern aus den meisten Obstarten gewonnen.

Der Chefgärtner eines grösseren Gutes bekleidete ein relativ gewichtiges Amt, was ihm ermöglichte, einen gewissen Lebensstandard zu pflegen und sich ein eigenes Grab anlegen zu lassen.

Der Lustgarten

Die Grösse des Gartens kann beträchtlich sein, sowohl was die wirklichen Proportionen anbelangt (es sind Gärten in der Grösse von 74 x 36m oder 60 x 30 m bekannt), wie auch im Verhältnis zur gesamten Fläche des Besitzes. Er stellt innerhalb des Besitzes eine Einheit dar. Er war von der Aussenwelt durch die Umfassungsmauer des Anwesens und von dessen verbleibendem Teil durch eine weitere kleine Mauer abgetrennt. Der offizielle Zugang erfolgte durch ein monumentales Tor, das in Tell el-Amarna in Rücksicht auf den Sonnenkult einen besonderen Türsturz aufwies. Dieser Eingangspylon konnte die halbe Länge der Gartenfassade aufweisen und 2-3 m dick sein. Gelegentlich wies er auch einen Vorhof auf, welcher den Zugang erlaubte.

Im Garten gab es ganz bestimmt Blumenbeete, wobei nicht ganz klar ist, welche Pflanzen da wuchsen. Ikonographische Hinweise deuten auf Klatschmohn, Kornblume, Chrysantheme oder Mandragora.

Der Pavillon, zumeist als sog. Kiosk ausgebildet, kommt in den Grabdarstellungen recht selten vor. Er ist von kleinen Säulen getragen und aus Pflanzenstengeln oder Holz gefertigt. Der wirkliche Pavillon scheint häufig eine Kapelle gewesen zu sein, aus ungebrannten Ziegeln oder selten aus Stein gefertigt. Sie ist auf einem massiven Sockel gebaut, zu dem einige Stufen führen. (Villa Q. 46.1 in Tell el-Amarna)

In der Literatur ist der Garten der geeignete Ort für Begegnungen und Tändeleien der Liebenden. Minne, Liebesgenuss und Rausch vereinen sich im Wirkungsbereich der Hathor.

Bildliche Darstellungen aber auch Belege durch Ausgrabungen sind erst ab der 18. Dynastie nachweisbar. Reicht der zur Verfügung stehende Platz nicht aus, so muss man die Gartenarchitektur derart abändern, dass man die einzelnen Bestandteile wiederum den materiellen Möglichkeiten entsprechend auswählt. Wurde der Garten sehr klein, reduzierte er sich auf einen im Grünen stehenden Kiosk.

Der freigelegte Garten in Tell el-Amarana stellte innerhalb des Besitzes eine Einheit für sich dar. Er war von der Aussenwelt durch die Umfassungsmauer des Anwesens und von dessen verbleibendem Teil durch eine weitere kleine Mauer abgetrennt. Da Haus und Garten aneinandergrenzten, umgab die Aussenmauer den Garten von drei Seiten; diese Umfassungsmauer trug gerundete Zinnen und erreichte eine Höhe von drei oder mehr Metern. Der offizielle Zugang erfolgte durch ein monumentales Tor mit Pylon (Tor mit zwei festungsartigen Türmen), der von bedeutender Grösse war. Er war 1.80 m breit und 14.25 m lang, d.h. die halbe Länge der Gartenfassade und war verkleidet mit Kalksteinquadern. Gelegentlich wiesen Pylone auch einen Vorhof auf, der den Zugang erlaubte und damit gleichzeitig eine Vermittlerrolle zwischen der geschlossenen Welt des Gartens und der Aussenwelt spielte.

Der Teich bildet das Zentrum des Gartens, von dem aus die Anlage sich ausbreitet. In der Ikonographie ist das Bassin - meist rechteckig, mitunter aber T-förmig - als Vertiefung dargestellt, deren schräg verlaufende Ränder mit Blumen bepflanzt sind. Auf der Oberfläche treiben Wasserpflanzen wie blauer und weisser Lotus und Laichkraut, zwischen denen Enten schwimmen, im Wasser befinden sich Fische. Diese drei Elemente sind von der Ikonographie nicht zu trennen.

In der Wirklichkeit bot das Wasserbecken einen erheblich anderen Anblick. Auf den Grundwasserspiegel traf man erst in mehreren Metern. Das Wasserbecken konnte also im Grunde nichts anderes sein als ein tiefer Brunnen, aus dem Wasser zur Bewässerung geschöpft wurde. Man kann sich den Teich als eine abgetiefte, terrassierte Anlage vorstellen, an deren tiefster Stelle man Wasser schöpfen konnte. Über Pflanzen liegen nur schriftliche und grafische Aufzeichnungen vor.

Als einer der ältesten und bedeutendsten Bäume galt die Sykomore (Ficus sycomorus, Maulbeerfeigenbaum). Dieser Baum wurde ursprünglich aus Äthiopien eingeführt. Daneben sind auch zwei Palmengarten erwähnt, die Dattelpalme und die Dumpalme. Der Baum der Geschichte, der Yschit-baum, wird als heiliger Baum hochverehrt. Im ‘neuen Reich’ werden bereits 20 verschiedene Baumarten erwähnt, von denen noch nicht alle bekannt sind. Sehr verbreitet im Alten Reich war auch schon der Wein, welcher pergolaartig gezogen wurde. Im Niltal selber wurde verschiedenes Gemüse und Getreide angepflanzt, wobei der alljährlich angeschwemmte Nilschlamm die notwendigen Nährstoffe zuführte.

Von reinen Ziergartenanlagen sind uns zudem verschiedene schriftliche Zeugnisse übermittelt. Eine Inschrift im Grabe des Met’en, eines hohen Beamten und Heerführers beschreibt eine prächtige Villa, umgeben von einer Mauer, rechteckig angelegt. Die Seitenlänge betrug 105 m. Das Haus war umgeben von Bäumen zum Schmuck und zum Nutzen, in mehreren Bassins, von Grün eingefasst, tummelten sich Wasservögel, vor dem Haus befanden sich Lauben, zwei Äcker waren mit Weintrauben bepflanzt. l aus: M.L. Gothein Bd, I, S. 3 Die Hohe Zeit des aegyptischen ‘Gartenbaus’ wird im ‘Neuen Reich’erreicht. Mehr und mehr gewinnt der Zierwert der Pflanzen an Bedeutung. (ca. 1500 - 1300 v.Ch.)

Der Pavillon, eigentlich ein wesentlicher Bestandteil der Gartenarchitektur, ist indes nur selten in den Gräbern dargestellt, vielleicht weil seine Funktion für das Weiterleben des Verstorbenen im Jenseits nicht unbedingt erforderlich war. Gelegentlich ist der Pavillon als leichter Kiosk wiedergegeben, von kleinen Säulen getragen und aus Pflanzenstängeln oder Holz angefertigt. Der wirkliche Pavillon scheint aber im ausgegrabenen Garten eine Kapelle zu sein, die hinter dem Bassin in der Längsachse des Gartens errichtet war. Sie ist auf einem massiven Sockel gebaut , zu dem einige Stufen führen, die von je einem Baum oder Papyrusgebüsch flankiert sind.

Der Palastgarten

Als Palast galt im allgemeinen nur der Königs- und Regierungssitz, wobei für jeden König ein neuer Palast gebaut wurde. Entsprechend wurden zumeist nur ungebrannte Ziegel als Baustoffe verwendet, so dass die Bauten nach ihrer Aufgabe recht rasch verschwanden. Einige wenige Überbleibsel konnten erforscht werden und in zweien fand man Hinweise auf Gärten. Man muss sich diese Anlagen als Innenhöfe vorstellen. Der Garten im königlichen Palast in Tell el-Amarna bot das Bild einer terrassenförmigen Vertiefung inmitten eines Hofes, dessen übriger frei gelassener Teil als Promenade oberhalb des Gartens diente. Am einen Ende der Vertiefung war ein Wasserbecken angelegt worden, auf der gegenüberliegenden Seite, über einem Brunnen war ein von vier Papyrussäulen getragener Kiosk errichtet worden. Ein zweisäuliger Portikus bildete den Übergang vom Gartenbereich zum Wohnbereich. Die Räumlichkeiten im Anschluss an den Portikus waren überaus reich geschmückt mit bemalten Fussböden, die eine Gartenlandschaft nachahmten.

 

 

Der Garten am Grab

Als Garant der Wiedergeburt sichert der Garten dank seiner Erzeugnisse dem Verstorbenen Fortdauer seiner Existenz. In seinem Wunsch, fortzubestehen, verlegt der Ägypter seine materielle idealisierte Umgebung ins Jenseits, zu der auch der Garten gehört. Die Rolle des Gartens beim Grab besteht darin, dem Verstorbenen seine Wiedergeburt und sein Weiterleben in einer liebenswerten Welt zu sichern. Es sind die verschiedenen Bestandteile des Gartens, See, Pflanzen- und Tierwelt, die durch ihren Symbolcharakter diese Fortdauer garantieren. Solche Gärten wurden in der Regel und soweit möglich bei allen Grabstellen angelegt, wobei durch den Wassermangel, bedingt durch die geographische Lage oft nur symbolische Gartendarstellungen möglich waren.

Die frühesten gärtnerischen Anlagen stellen die Baumpflanzungen dar, welche bereits im alten Reich, ca. 2800 v. Ch, angelegt wurden. Bäume wurden auf Grund ihrer schattenspendenden Wirkung sehr geschätzt und auch verehrt. Bäume wurden meist auf kleinen Anhöhen oder an den Hängen des Niltales angepflanzt, d.h., dort, wo sie nicht jährlich vom Nil überflutet wurden.

Der Gartenbau war noch stark landwirtschaftlich geprägt. Bedingt durch den grossen Aufwand für die Bewässerung, es wurde ein bedeutendes Bewässerungskanalnetz gebaut, zum Überwinden von Höhendifferenzen wurden einfache ‘Wasserhebegeräte’ sog. Shaduf od. Flussschwengel eingesetzt. Dieses Gerät bestand aus einer langen Stange mit einer Schaufel an der einen Seite und einem Gewicht an der anderen Seite. z.T., wurde Wasser auch mittels Sklaven in Schalen und Krügen in höhere Regionen transportiert. Wasser war und ist Ausgangspunkt für die Fruchtbarkeit des Bodens.

Der Garten steht in der begüterten Schicht als Luxus schlechthin. Unerreichbar für das einfache Volk, stellen kostspielige Lustgärten den gesellschaftlichen Status und den Reichtum ihrer Besitzer zur Schau. Bereits seit dem Alten Reich war der Garten für die privilegierte Schichten zu einem unverzichtbaren Bestandteil ihrer Wohnanlage, ihres Komforts und Sozialprestige geworden - Annehmlichkeiten, die man erst recht im Jenseits nicht missen wollte, um sich ihrer auf ewig erfreuen zu können.

Der typische Garten erscheint nach dem, was die alten Ägypter uns über ihn mitgeteilt haben, wie eine geschlossene, wohlgeordnete Welt mit seinen symmetrisch angeordneten Baumreihen um ein an seinen Rändern mit Blumen geschmückten Wasserbecken und mit einem Pavillon, der sich zu diesem Bassin hin öffnet - und die gesamte Anlage folgt dabei dem Schema einander umschliessender Rechtecke. Diese Idealvorstellung eines Gartens tritt uns in den Texten entgegen, ist auf den Wänden der Gräber abgebildet, nimmt aber auch in Form von Modellen Gestalt an,, wie z.B. im Grab von Meketre, und schliesslich ist sie in der Architektur verwirklicht. Die Wirklichkeit nahm sich neben diesen Idealvorstellungen in den meisten Fällen allerdings etwas aus.

Der Garten ist aber auch mit religiösen Vorstellungen und Inhalten verknüpft. Gottheiten haben hier als Garanten der Fruchtbarkeit und der Erneuerung des jährlichen Kreislaufes der Natur ihren Sitz, Gewächse und vor allem Bäume sind eng mit ihnen verbunden.

Beschreibung des Gartens des Hohepriesters Merire.

Das Bild, mit dem das Grab des Merire geschmückt ist, zeigt eine grosse Menge von Gebäuden, die verschiedenen Zwecken gedient haben, teils Wohnräume des hohen Priesters, teils des niederen Klerus, teils Schatzhäuser und Vorratskammern des Tempelgutes. Alle aber sind von Gartenanlagen umgeben. Selbst zwischen dem Speicher und dem Schatzhause sind blühende Pflanzen in schön verzierten Kübeln aufgestellt. Auch der Eingang ist hier besonders anmutig durch einen baldachinartigen Vorbau gemacht, und im inneren Vorhof steht ein reizender Pavillon. Der Aegypter liebt es, überall besondere Abteilungen mit Mauern und Türen abzuschliessen, so sind auch die Höfe wieder verschieden abgeteilt die meisten von ihnen mit Baumalleen bepflanzt. Die einzelnen Bäume sind mit einem kleinen Erdwall und Höhlung umgeben, um das Wasser besser zu halten. Die Hauptgartenanlage nimmt die hinterste Ecke ein. Vor dem Hause liegt innerhalb von Baumalleen ein vertieftes Bassin, zu dem zwei Treppen herabführen, ein gleiches Bassin liegt auch vor dem schmucklosen Nebenhause. Das Gartenhaus ist konzentrisch gebaut, der innere Teil von einem Kranz von Bäumen umgeben, auf den sich Säulenhallen öffnen. Die Mitte scheint dann eine erhöhte Blattform mit seitlich aufsteigender Rampentreppen und einem Altar darauf zu sein. Genau axial angelegt, liegt dahinter der Hauptgarten, vom Hause durch einen Zwischenhof und doppelte Treppe getrennt. Die Mitte des Gartens nimmt ein sehr grosses,viereckig vertieftes Bassin ein; und hier ist im Zentrum, vielleicht für wasserlose Zeiten, ein besonders kleiner, tiefer Brunnen ausgespart, neben dem ein Schaduf angebracht ist. Das Bassin ist rings von Bäumen mannigfachster Art umgeben: wurden vor allem weihrauchbäume aber auch Advokados importiert Sykomore und Granatapfel, diese sind sehr genau und zierlich gezeichnet. Ein zweiter Schaduf steht am hinteren Ufer des Bassins, und unter den Bäumen vor demselben entdeckt man noch ein kleines Gebäude, das ein Gartenhaus oder ein Altar sein kann. )1

Bedeutend waren die Expeditionen unter der Königin Hatchepsut in den Jahren 1489 - 1460 v.Ch. ins Lande Punt (heute Somalia).Von dort Von andern Ländern wurden Zedernholz importiert.

Die Merkmale der aegyptischen Gärten

auch als Wasserreserve.

Gärten im Orient

Gärten in Mesopotamien waren kein Luxus, sondern ein vitales Bedürfnis: Es ist der einzige Ort, an dem man, ausserhalb des Hauses, Schatten finden kann, einen erfrischenden Schatten, der zugleich das grelle Sonnenlicht milderte.

Eine der wenigen Quellen, die uns Anhaltspunkte über die Gartenkultur der Mesopotamier geben, ist der Gilgamesch-Epos, der einige, allerdings unklare Andeutungen zur Gartenkunst in dieser Zeit macht. Er spricht von einer Dreiteilung der

Ein Zikkurrats: Turmbau mit einem Tempel zuoberst (Turm zu Babel)

Wurden in Mesopotamien zwischen 2115 – ca. 500 v.Ch gebaut

Domäne Uruk, wovon ein Teil der Stadt, ein Teil dem Garten und ein Teil dem Fluss gewidmet ist. Es ist dies offenkundig ein hoher Anteil, der dazu berechtigt, zu behaupten - trotz der Schwächen des Belegsmaterials - dass der Garten einen bedeutenden Platz im täglichen Leben einnahm.

Das zweite Kennzeichen des Gartens ist, dass er eine mit Bäumen bepflanzte Einfriedung darstellt, d.h. im allgemeinen einen Obstgarten. Dafür ein einfacher Grund: -der begehrte, wohltuende Schatten kann nur von Bäumen gespendet werden, und ohne ihn könnten viele Blumenarten in der Tat nicht gedeihen.

Drittens stellt man fest, dass der Garten aus klimatischen Gründen nicht an beliebiger Stelle angelegt werden konnte: er ist in der Tat ein grosser Wasserverbraucher, und es ist eine unabdingbare Forderung, dass er regelmässig mit Wasser versorgt wird.

Zu diesem Zwecke wurde ein bedeutendes Kanal- und Bewässerungssystem entwickelt, das sich im wesentlichen der Schwerkraft bediente. z.T. wurde Quell- und Flusswasser über duzende von Kilometern in Kanälen und Aquädukten herbeigeschafft. Auch einfache Hebevorrichtungen für höher gelegene Anlagen waren im Gebrauch. Diese besassen allerdings keine grossen Kapazitäten

Wie haben nun diese Gärten ausgesehen?

Man muss zunächst unterscheiden zwischen den Wirtschafts- und den Lustgärten, wobei letztgenannter vermutlich nur eine Umwandlung des ersten zum Vergnügen der oberen Bevölkerungsschichten darstellte.

In den Wirtschaftsgärten wurden neben Obstbäumen nachweislich folgende Gemüse angebaut: Salat, Kresse, Fenchel, Kohlrabi, Radieschen, Mangold, Stengelklee, Klee, Gurken, Lauch, Zwiebeln und vor allem Knoblauch. Darüber hinaus werden Gewürze und pflanzliche Duftstoffe wie Minze, Senf, Majoran, Kümmel, Ingwer, Safran, Kardamon, Koriander und Thymian genannt, die alle in der Ernährung eine grosse Rolle in der Ernährung spielten. Diese Gemüsegärten waren wohl eine Abspaltung der Äcker, auf denen vor allem Getreide und Hackfrüchte angebaut wurde. Über die Form dieser Gemüsegärten liegen keine Quellen vor, es darf aber davon ausgegangen werden, dass die Pflanzen in Beeten gehalten wurden, die in einem umzäunten Bereich lagen.

Der Obstgarten ist die am meisten verbreitete Art. Hier wurden vor allem Palmen gehalten (Palmenhaine). Diese eigentlichen Palmenplantagen bedeckten riesige Flächen und lieferten die zum Alltagsleben benötigten Produkte wie Früchte (Datteln), Fette und Öle, Fasern, Baumaterial, Wein, Essig, Honig, Mehl, Brennmaterial und Viehfutter. Erwähnt wird auch, dass Bäume gezüchtet wurden und dass die künstliche Befruchtung zur Ertragssteigerung üblich war.

In diesen Palmenhainen wurde auch Gemüse angepflanzt, daneben Obstbaumarten wie Apfel, Birne, Sandbeere, Feige, Granatapfel, Maulbeere, Olive, Pflaumen, Quitte und Wein.

Die Lustgärten

Über diese Gärten, die es zweifellos gab, sind die Quellen äusserst spärlich.

Relief im Nordpalast von Ninive. König Assurbanipal und seine Gemahlin Assur-scharrat speisen im Garten

Verschiedene assyrische Könige zwischen 1100 - 600 v.Ch. sind jedoch bekannt dafür, dass sie Gärten entweder besonders schätzten oder gefördert haben. Darunter ist die Unternehmung Sanheribs sicherlich die spektakulärste, da dieser König zur Bewässerung der bei Ninive angelegten Gärten die Gewässer aus 70 km heranführte und Kanäle und Aquädukte bis in seine Hauptstadt bauen liess. Der gleiche Herrscher schuf in Assur eine Art botanischer Garten; dieser setzte sich aus Arten zusammen, die aus Ländern in der Umgebung Mesopotamiens stammten.

Über Blumen wissen wir wenig, eigentlich nur soviel, dass es welche gab. Man kannte die Rose, die Granatapfelblüte, die Lilie, das Windröschen, vielleicht auch das Alpenveilchen; man zog es dabei vor, diese Blumen in ihrer wildwüchsigen Form abzubilden. An Bäumen werden die Platane, Zypressen und verschiedene andere Koniferen erwähnt.

Von einem Garten aus der Stadt Ugarit am Mittelmeer aus dem Ende des 2. Jahrtausends (jüngere Broncezeit) liegt eine Ausgrabung eines Lustgartens vor. Der Garten bot einen angenehmen Ort der Musse. Er nahm den grössten Teil des offenen Hofes im Palast ein. Die ganze Anlage umfasst eine grob trapezförmige Fläche von etwa 20-25m x 40 m. Das Zentrum bildet eine ihrerseits trapezförmige Fläche für einen Garten in den Massen 12-15m x 21 m, die von einer kleinen Steinmauer von etwa 50cm Höhe begrenzt ist. Vorgesehen waren zwei Durchlässe, je einer im Norden und im Süden; über sie betrat man den Garten von einer wechselnd breiten Allee aus, die ihn teilweise umgibt. Im nordöstlichen Winkel befand sich ein erhöht gebauter Pavillon, der sich über einen eleganten Portikus zum Garten hin öffnet; auf der Südseite des Pavillon befand sich ein Brunnen mit einem Becken als Ausgangsort einer Kanalisation, die in den Garten führte.

Leider weiss man überhaupt nichts über die Art von Gewächsen, die in diesem Garten vorkamen. Vermutlich waren es Bäume oder Sträucher und bestimmte Blumen, worüber allerdings nichts ausgesagt werden kann.

Die Gärten der Shammuramath (Semiramis)

Darstellung von Babylon um 580 v.Ch 58 v.Ch. beschrieb der griechische Geograf Strabon den Garten. Es war eine Konstruktion von Terrassen, errichtet auf einer guadratischen Basis. Jede Seite mass 120 m. Aufbau senkrecht nach oben. Es bestanden verschiedene Terrassen übereinander. Jede Terrasse stand auf Arkaden, welche wiederum auf Säulen (Pfeilern) ruhten. Die letzten Säulen waren mit Erde gefüllt. Auf jedem Pfeiler wurde ein Baum gepflanzt. Spezielle hydraulische Maschinen beförderten das nötige Wasser auf die verschiedenen Terrassen. Die Treppen wanden sich spiralförmig um die Pfeiler.

Die oberste Terrasse, auf über 50 Fuss Höhe gelegen, setzte sich aus verschiedenen übereinander liegenden Beeten zusammen, welche eine Art Höhepunkt des ganzen Werkes bildeten. Die Beete besassen einen Boden aus Steinbalken, darauf kam Asphalt, die dritte Schicht aus Backsteinen und Gips, die vierte aus Bleifolien und die fünfte aus fruchtbarer Erde für das Ziehen von Pflanzen. In regelmässigen Ab-ständen standen die grossen

Bäume (auf den Pfeilern). Büsche und Blumen gediehen in der Erde des obersten Beetes. Tamariske und Palmen, sagt Strabon, beschatteten die Beete mit Lotus, Thymian, Heliotrop. Unter den Terrassen befanden sich gut gekühlte Räume .

Diodor, ein griechischer Historiker um 60 v. Ch, beschrieb die hängenden Gärten etwas anders. Er bestätigt, dass sich das Gebäude am Ufer des Euphrat befand, jedoch, gemäss Diodor, bemassen sich die 120 m nur am Fusse der Terrassen, pyramidaler Aufbau. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Terassen gestaffelt übereinander gebaut wurden. Dies würde anderen charakteristischen Monumenten Mesopotamiens entsprechen.

Quintus Curtius Rufus, römischer Historiker aus dem ersten Jh. n.Ch., Autor der Geschichte Alexander des Grossen, beschrieb die hängenden Gärten ebenfalls. Man findet in seinen Aufzeichnungen ebenso grosse Bewunderung wie bei seinen griechischen Vorgängern. Die Gipfel der zahlreichen Bäume übersiegen um vieles die höchsten Mauern, einen wundervollen Schatten ausbreitend. Ueber den Steinpfeilern, welche die ganze Konstruktion unterstützten, breiteten sich Erdbeete auf behauenen Steinen aus. Diese Erdbeete bildeten den Bereich, wo prächtige Bäume wachsen konnten, deren Stämme über 8 Ellen Durchmesser hatten und über 50 Fuss hoch wurden. Zudem trugen sie Früchte. Curtius berichtet, dass diese Gärten von einem bestimmten babylonischen König für seine Frau gebaut wurden, welche Heimweh nach ihrem gebirgigen Heimatland hatte.

Die Beschreibung der grossen historischen Parks und Wälder geben uns auch Hinweise auf die bevorzugten Kulturen und Artenwahl bezüglich der hängenden Gärten. Bei den Assyriern und den Babyloniern dienten die Parks, welche die Paläste umgaben, auch als Jagdgrund, Festplatz und militärischen Uebungsplatz

Die Assyrer glaubten, dass die Guelle des ewigen Lebens mit den Wurzeln der mächtigen Bäume verbunden sei.

Nach Plutarch, einem griechischen Hystoriker (45-125), befand sich Atraxerxes mit seiner Armee auf dem Marsch gegen die Kaduzier, als sie von einer kalten Nacht in der Umgebung von Garten und Parks überrascht wurden. Atraxerxes befahl seinen Soldaten, Bäume zu schlagen und Feuer zu machen. Diese weigerten sich jedoch, die schönen Bäume zu berühren. Erst als der König selbst die Axt in die Hand nahm, folgten die Soldaten seinem Beispiel.

Die Bewunderung und der Respekt vor den Bäumen war im nahen Orient sehr verbreitet. Von Cyrus dem Jüngeren, wird erzählt, dass er durch einen solchen Park gewandert sei, in welchem bequem eine Armee von 13’000 Mann Platz hatte.

Mehr als tausend Jahre vergingen bis Benjamin von Toledo im 12. Jh. von der Existenz von Babylon berichtet. Er besichtigte die Ruinen, erklärte jedoch, dass es unmöglich gewesen sei, sich Ihnen zu nähern da es von Vipern gewimmelt hätte. (Palast des Nebukadnezars)Dante übernahm Semiramis, als Schöpferin der hängenden Gärten, in seine ‘Göttliche Komödie’. (13. Jh.) Allerdings datierte er ihre Regierungszeit in die Jahre 1356 - 1314, statt richtigerweise 809 - 805. Auch in einer Tragödie von Voltaire.

In verschiedenen Publikationen des 18. und 19. Jh. erscheinen Beschreibungen des Gartens, diese haben jedoch keine wissenschaftliche Bedeutung. Die Semiramis erscheint ebenfalls in der Lyrik, so z.B., bei Byron oder Paul Valéry.

Ausgrabungen.

Die für den Garten bedeutenden Ausgrabungen wurden von Robert Koldewey (1855 - 1925) Archäologe, Architekt und Kunsthistoriker aus Blachenberg (Deutschland) ab dem Jahre 1898 durchgeführt. Seine Arbeiten dauerten 18 Jahre. Sein gefundenes Material ergab eine reiche Informationsquelle über die grösste Kapitale des Orients: Babylon.

Die Studien des Planes der ‘Hängenden Gärten’, wiederbegründet auf der Basis der Ausgrabungen von Koldewey, bestätigte die Annahme, dass es sich um eine architektonische Fundamentierung handelte.

Diese setzten sich aus 14 gewölbten Sälen zusammen, an zwei Seiten war ein Korridor angeordnet und das Ganze wurde von Mauern umgeben. In einem Saal auf der Westseite befand sich ein Originalbrunnen. Er enthielt drei parallel aufgestellte hydraulische Maschinen mit Schöpfeimern an einer Endloseste. Ein Rad brachte diese Kette in eine Rundbewegung, so dass die Kübel eintauchen konnten und so unaufhaltsam Wasser hinauf beförderten.

Die Aufmerksamkeit Koldeweys galt vor allem den Arkaden (Bögen) welche in Mesopotamien seit Jahrhunderten bekannt waren, sie dienten jedoch nur den unterirdischen Kanälen. In der Konstruktion des Gartens erschienen die Bögen jedoch erstmalig auch im Hochbau (construktion extérieur). Die Bauten aus Bögen, welche eine geschmeidigere Struktur hatten, eigneten sich besser für den Wassertransport, der für die Versorgung der Pflanzen notwendig war.

Hinsichtlich der Informationen aus historischen Quellen und der ausgegrabenen Ruinen kann Koldewey die Hauptmasse des Gebäudes nicht bestätigen, ebensowenig die von Curtius angenommene Spannweite eines Bogens von 10 bis 16 m. Zu seiner grossen Genugtuung konnte Koldewey auf Grund seiner Funde beweisen, dass beim Bau des Blauen Tores des Ishtar und den Fundationen der hängenden Gärten die behauenen Steine verwendet wurden, wovon bereits antike Historiker sprachen. Nirgends sonst wurden diese Steine verwendet. Koldewey fügt ebenfalls bei, dass "sich auf dem Beet aus Binsen und aus Asphalt aufgestellt auf einem soliden Rahmen aus behauenen Steinen zwei Reihen mit Mörtel verbundene Ziegelsteine befanden. Platten (feuilles) aus Blei trennten die Ziegelsteine von der auf ihnen ausgestreuten Erde". Diese Erklärung bestätigt die Beschreibung von Strabon, welcher von fünf .Schichten) spricht, die sich auf jeder Terrasse befanden, um das Gedeihen der Pflanzen zu ermöglichen.

 

Die Meinungen der modernen Kunsthistoriker über die ‘Hängenden Gärten’

G. Gromort (1953) bestimmt das Attribut ‘hängend’ als eine Metapher, das sich auf die stufenweise sich zurückziehende Anlage des Gartens bezieht. Als Beispiel zählt er 1. den Garten des Quirinals in Rom und 2. den Garten auf der Isola Bella. Er führt weiter aus, dass Terrassengärten in Babylonien eine gängige Sache gewesen seien, ein grosses Beet auf dem Dach schützte vor der Hitze der Sonne (wie auch in Ägypten).Er sagt auch, dass die Beete einen Boden aus Metall oder Asphalt und Binsen haben müssten, denn die unerlässliche Berieselung hätte sonst die Konstruktion des Daches bald zerstört. Kurbatoff zitiert ebenfalls Strabon und unterstreicht die Analogie mit den Gärten auf der Isola Bella. Er erwähnt auch, dass Nebukadnezar die Gärten renoviert und vergrössert hat.

Contenau interessiert sich Vor allem für die Beschreibung der Kanäle und deren Funktionieren sowie der Mittel für die Berieselung, die Hauptbedingung für das Wachstum. Contenau überliefert uns eine Beschreibung des Gartens des Königs Marduk - Apal - Iddin. Es handelt sich dabei nicht um einen königlichen Park, sondern um einen Gemüsegarten. Die Gemüse waren nach Ihrer Nutzung gruppiert: Knoblauch, Zwiebel, Lauch; die Gewürze Safran, Minze , Thymian, Basilicum etc.. Die verschiedenen Arten von Melonen einschliesslich der Aubergine bildeten eine andere Gruppe, ebenso auch Rüben, Gurken, Bohnen und viele andere Gemüse. Unter den Bäumen waren Dattelpalmen, Granatapfel, Feigenbaum, Mandelbaum, Birnbaum, Pfirsich, Aprikosen und endlich Sesam zur Oelgewinnung vorhanden. Weintrauben waren im Lande selten. Das Gemüse wurde in geraden Linien gepflanzt. Contenau zählt auch Pflanzen auf, aus denen man Narkotika gewann: Mohn, Haschisch, Alraun, Belladonna, Schierling.

Die ‘Hängenden Gärten’ der Semiramis werden zu den sieben Weltwunder der Antike gezählt. Daraus darf geschlossen werden, dass es sich bestimmt nicht um einen gewöhnlichen Dachgarten gehandelt hat. Die Ausgrabungen haben den Grundriss, das Muster der Mauern, die Richtung der Bögen, Fragmente der hydraulischen Installationen zu Tage gefördert- fördert; man hat ebenso behauene Steine gefunden. Auch sind Überlieferungen aus der Antike vorhanden. Zusammen mit analogen Beschreibungen der Kultur der damaligen Zeit lässt sich der Garten rekonstruieren. Heute kann man davon ausgehen, dass die ‘Hängenden Gärten der Semiramis’, wie sie die Griechen tauften, existiert haben.

Beschreibung nach Sophie de Serdakovska (entsprechend den Ausgrabungen)

Die Gärten mussten sich in der Form eines ausgedehnten viergeschossigen Gebäude präsentieren, gebaut auf einem trapezförmigen Fundament.

Eine Aufeinanderfolge von Bögen (10 - 11 Fuss = 3m Innenmass) bilde- ten die Seitenwände, welche im Grundriss ca,120 Fuss (43m) massen. Die Zahl der Etagen (4) scheint mit den Ausgrabungen von Koldewey übereinzustimmen, ebenso das Trassee der Stützmauern. (Die Fundamente hätten eine grössere Zahl von Etagen nicht tragen können). Die Höhe jeder Etage müsste 30 Fuss (9m) gewesen sein, wenn man die Proportionen mit der Länge der Bögen berücksichtigt. Ueber die Terrasse der ersten Etage, 7 m breit, erhoben sich 8 Pfeiler, welche 7 Arkaden abstützten. Die Terrassen der zweiten und dritten Etage waren enger und wegen der trapezoiden Grundform weniger regelmässig. Die Terrassen der 2. Etage trugen 6 Pfeiler, welche 5 Bögen formten, diejenige der dritten 4 Pfeiler und 3 Bögen und die letzte trug auf der Südseite auf 2 Pfeilern einen Bogen, auf der Ostseite drei Pfei- ler mit 2 Bögen. Das Dach des stufenförmig gebauten Gebäudes bildete eine ebene Ter- rasse von 8 auf 17 Metern Grösse. Auf der Nord- und Ostseite stiess das Gebäude bis auf eine Höhe von 7 m an die Umfassungsmauern an.

Die Pfeiler und Arkaden waren weniger regelmässig. Unter den so erhöhten Gärten auf Arkaden bestehen heute (und hochge- achtet wie die Hängenden Gärten von Babylon) diejenigen auf der Isola Bella. Diese sind auf 7 Terrassenetagen angelegt, aber nur zwei tragen Arkaden. Die anderen sind aus Stufen bestehend, welche von Mauern gestützt werden. Die Gärten des Quirinal in Rom haben nur bei einer Etage mächtige Arkaden. Die ‘Hängenden Gärten’ in Babylon besassen hingegen auf jeder Etage Bögen. Die Bögen der dritten und vierten Etage ruhten auf den darunterstehen-den. Im Erdgeschoss, im Innern des Gebäudes, hat man die Spuren (Traces) von 14 kühlen Räumen entdeckt, abgeteilt durch einen Korridor.

Die Pfeiler waren teilweise mit Erde gefüllt, dort wo man Bäume hin- einpflanzte. Eine Mauer, im Innern der Arkaden, grenzte einen Korridor ab, welcher die Frische in den Räumen hielt. Innere Treppen stellten die Verbindungen zwischen den Etagen her und ermöglichten ebenfalls den Zugang zu den Terrassen. Sie müssen ähnlich derjenigen gewesen sein, welche man zwischen dem Untergeschoss und dem Erdgeschoss entdeckt hatte. Die Mauer, welche die inneren Räume umfasste, diente als Halterung der Treppen, welche auf dem Treppenab- satz jeder Etage endigten. (Es genügte also einen der Bögen zu überschreiten um auf die Terrasse zu gelangen).

Die Erdbeete auf den Terrassen bildeten einen vorzüglichen Schutz gegen die Sonnenhitze. Zusätzlich spendeten die Aeste der üppigen Vegetation kühlen Schatten in den Lauben.

Die ‘Hängenden Gärten’ bildeten durch ihre imposanten Masse, ihre unvergleichliche Pracht, durch die Kühnheit ihrer Konstruktion ein bewundernswertes Objekt. Die Bogenweite der Arkaden mit 3 Metern wiesen alleine schon auf die Grösse des Werkes hin.

Antike persische Gärten- Ein Ursprung der Gärten

Persische Gärten, das evoziert Vorstellungen von Blumen und Brunnen, Grünpflanzen und Schattenspiel im Schutze hoher Mauern. Innerhalb dieses Privatraumes vollzieht sich Naturwahrnehmung auf sehr intime Weise. Der persische Garten vermittelte in seiner langen Bestehenszeit das Behagen und die Ruhe der wohlgeordneten Natur sowie die sinnlichen Freuden des Sehens, Hörens und Riechens. Man bestaunte die subtile Geometrie üppigen Wachstums, der süssen Blumen und flutenden Wasserteiche, während die klassische persische Dichtkunst den Garten als Ausdruck der Liebe und aller damit verbundenen Freuden, ob irdisch oder himmlisch, darstellte.

Die einheitliche Form des persischen Gartens mit seinem Wasser, seinen Mauern und Bäumen ist ein Produkt des trockenen Klimas. Der Niederschlagsmangel wird durch künstliche Bewässerung kompensiert, und der bewässerte Garten wird mit einer Mauer umgeben, die gleichzeitig das Wasser und die Vegetation des Gartens schützt.

In Pasargade, der ersten vor 550 v.Ch. erbauten achämenidischen Hauptstadt im zentralen Iran, findet sich ein Park, eher ein weltlicher als religiöser Bezirk, der von den Zoroastern gebaut und gepflegt wurde. Die von David Stronach geleiteten Ausgrabungen in den 60er Jahren ergaben, dass scheinbar willkürlich angelegte Paläste und des Torhauses in Wirklichkeit durch die Anlage eines umfangreichen Gartens mit Wasserbassin aus Kalkstein, Wasserkanälen und einem Pavillon diktiert wurde. Der regelmässige, in vier Bereiche aufgeteilte Plan des Gartens besitzt schon die Form des späteren, klassischen persischen chahar bagh oder vierteiligen Gartens. Der Eingangspavillon, der in der Folgezeit auch ein Merkmal islamischer Gärten war, findet seine Vorbilder vielleicht im elamischen Tempelgarten mit Torhaus, der im verschollenen assyrischen Relief aus Ninive dargestellt ist. Vermutlich haben wir hier den ältesten nachweisbaren persischen Garten vor uns.

In der berühmten alten persischen Stadt Persepolis mögen wohl Gärten existiert haben, dafür fehlen aber nachweisbare Quellen. Hingegen weist die imposante Architektur eine Vielzahl an pflanzlichen Motiven in der Bauornamentik auf, Motive, die die Schönheit und Fruchtbarkeit der Ebene um Persepolis eingefangen zu haben scheinen. Die pflanzlich und blütenähnlich ausgebildeten architektonischen Bauglieder hatten ihren Ursprung über 2000 Jahre früher im alten Ägypten, wo sie erstmalig im Grabkomplex des Djoser bei Sakkara an Monumentalbauten Verwendung fanden. Nachbildungen der ägyptischen Vorlagen waren in der Folgezeit im Nahen Osten weit verbreitet. Mit der persischen Eroberung Ägyptens durch König Kambyses im Jahre 525 v.Ch kamen neue ägyptische Muster ins Land, die dem Repertoire der iranischen Architekturformen neue Impulse gaben.

Wir treffen hier auf einen neuen Aspekt der Gartenkunst: die Darstellung von Garten- und Pflanzenmotiven in der Architektur. Grundsätzlich wäre dies Gegenstand einer eigenen Untersuchung, aber es kann doch gesagt werden, dass diese Darstellungen, seien sie nun malerischer, bildhauerischer oder bauornamentaler Art. Je nach Kultur sind sie unterschiedlich dargestellt und gelangen bei unterschiedlichen Anlässen zur Anwendung. Sind es bei den Ägyptern vorwiegend Darstellungen in den Grabanlagen, wo das Leben des Herrschers dar- und nachgestellt wurde, sind sie bei den Persern vermutlich bereits in Verbindung zu Gartenanlagen zu bringen. Diese Verbindung zum Garten ist bei den Römern besonders auffällig, haben sie doch die Räume, welche im Peristyl dem Gartenraum zugeordnet waren, sehr häufig mit Gartenmotiven ausgeschmückt. Es entstanden dann eigentliche Gartenzimmer, wie man sie bis in die Neuzeit hinein kennt mit Tromple oeil- Darstellungen. Bei den Griechen sind pflanzliche Darstellungen an den Kapitälen bekannt, das Acanthus-Blatt war das Leitmotiv der korinthischen Ordnung. Daneben sind Garten- und vor allem Blumenmotive auf vielen Vasen und Urnen bekannt.

Liebliche Gärten wurden in verschiedenen Gegenden des Achämenidenreiches angelegt. Belesys, der achämenidische Statthalter in Syrien, besass dem griechischen Historiker Xenophon zufolge, einen sehr grossen und schönen Park, in dem alle erdenklichen Pflanzen wuchsen. Der Park muss von beträchtlicher Ausdehnung gewesen sein, da die Griechen glaubten, es halte sich eine grosse Gruppe Einheimischer darin versteckt. Durch die Wirren, die Alexander der Grosse in Persien stiftete, sich keine baulichen Quellen über Gärten aus diesem Raum mehr vorhanden. Kunde von Gartenanlagen, die nach dieser Zeit (329 v.Chr.) überliefert uns der Sizilianer Didoros aus dem 1. Jh. v.Chr., wo er die Anekdote von der Königen Semiramis niederschreibt. Nach dem Bau der Stadt Babylon und der Schöpfung der 'Hängenden Gärten' soll Semiramis nach Medien (dem heutigen Kurdistan) gereist sein und ausgedehnte Parks mit Palästen und Vergnügungsgärten an zwei Stellen der Fernstrasse Bagdad -Khorasan angelegt haben. Noch heute herrscht an der nachweisbaren zweiten Stelle, dem heutigen Taq-i Bostan, an den goldschimmernden Felsen und einer kühlen Quelle sogar im trockenen Sommer eine grüne Kulisse vor.

Die ganzen Persischen Anlagen sind nicht denkbar, ohne die hohe Kunst des Wasser- und Kanalbaues. Die Perser waren die ersten, welche grössere Wassermassen in unterirdischen Kanälen führten, was eine bedeutend geringere Verdunstung zur Folge hatte. Zudem konnten vermutlich so auch Dükersysteme eingesetzt werden, die es erlaube, ohne Aquädukte topographische Unebenheiten zu überbrücken. Zudem musste ein ausgeklügeltes Verteilsystem erfunden werden, mit welchem es möglich war, ab der Hauptleitung unterschiedliche Wassermengen in unterschiedlichen Distanzen an die Verbrauchsstellen heranzuführen.

Und noch etwas:

Das Bemühen um Ordnung und Klarheit, das den arabischen Gärtner zur schlichten Geometrie des Gitters als Ausdruck einer domestizierten Natur führt, wird in der islamischen Welt zur Obsession. Hier ist es die akzentuierte zweiaxiale Symmetrie - die allerdings eine dritte, zenitale Achse immer mitbedenkt-, die den Kosmos und die fassbare Welt in Einklang bringt. In der Anordnung der architektonischen Elemente, in der Hierarchie der Symbole, ja bis in die Praxis der Bepflanzung hinein ist alles diesem Prinzip untergeordnet. Raffiniert und passiv, ist der persische Garten für die Kontemplation gemacht: 'Die Perser ergehen sich nicht, wie wir, im Garten, sondern beschränken sich auf eine einzige Ansicht', schreibt Chardin, Kaufmann und Reisender des 17. Jh. Die magmatische und vielfach geschichtete Stadt bleibt ausserhalb des eingefriedeten Bereichs, in dem die kristalline Ordnung der Geometrie zur Spekulation und zu Freuden der Liebe anregt. Bei dieser transzendenten Auffassung von Geometrie ist es nicht überraschend, dass die Vorstellung vom Garten als Replik des koranischen Paradieses in Persien weite Verbreitung und ein grossen Echo gefunden hat.

Und ein weiterer Punkt:

Der Koran stellt die Wasserläufe des Paradieses als eine Frucht des Glaubens dar, während die Wasserläufe und Gärten dieser Welt deutliche Zeichen für verständige Menschen sind. M.A. Haleem schreibt: 'Aus dem Koran lernen die Muslime, dass das Wasser ein Zeichen der Existenz, der Einigkeit, der Macht und der Fürsorge Gottes ist; es ist die Essenz und der Hort des Lebens, ein Mittel der Reinheit und der Schönheit: es darf nicht monopolisiert, nicht vergeudet und nicht verschmutzt werden; und es ist ein essentieller Teil der Wohltaten, die der Muslim sich im Jenseits erwartet.'

Im Islam, wo der Koran das tägliche Leben viel direkter beeinflusste als die Bibel dies in der abendländischen Welt dies vermochte, wurden solche Metaphern häufig direkt umgesetzt. So wurde die Architektur und die Gartenbaukunst vom Koran in wesentlichen Teilen bestimmt.

Genauere Quellen über die Verwendung des Wassers im Iran und Nahen Osten finden wir eigentlich erst ab dem 15. Jh. Dies hängt im wesentlichen damit zusammen, dass die Forschung in diesem Teil der Welt nicht immer ganz einfach ist und vor allem auch nicht die selbe Tradition hat wie bei uns.

Andererseits wissen wir aber, dass die Römer, ihrerseits grosse Wasserbaukünstler, ihre Technik im wesentlichen von den Persern übernommen haben und dass der Einfluss der Mauren über die iberische Halbinsel auf das übrige Europa von grosser Bedeutung war.

Es sei deshalb ein kurzer Abriss über diese persische Epoche erlaubt, wobei wiederum das Buch von Petruccioli, resp. verschiedener darin publizierender Autoren als Grundlage dient.

Auch wenn es hochkomplizierte Wasserinstallationen im Garten gab, ist es keineswegs klar, welchen Beitrag die Gartenbaukunst zur Wissenschaft und Technik der Hydraulik geleistet hat und wie die Wasserbauten im Garten konstruiert waren. Die Techniken der Wasserzuführung, -speicherung, -hebung, -weiterleitung, - nutzung und -entsorgung hatten sich schon viele Jahrhunderte vor Aufkommen und Verbreitung des Islams entwickelt.

Arabische und persische Gelehrte schrieben bedeutende Beiträge zur Hydraulik und Hebekunst, aber es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sie sich deren bedient hätten. Man kann aber sicherlich davon ausgehen, dass diese Kunst allgemeines Wissen war und die Gärtner hatten die Techniken nur den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Ausserdem könnten die Gärten auch zur Verbreitung dieser Techniken beigetragen haben.

Die späteren Timuridengärten (um 1500 eine persische Dynastie), waren so angelegt, dass sie über Kanäle (juy) aus den Nebenflüssen des Hari Rud bewässert werden konnten. Wir wissen kaum etwas darüber, wie sich das Wasser im Innern dieser Gärten verteilten; offensichtlich übten sie aber einen grossen Einfluss auf den ersten Mogulkaiser Babur aus. Sein Nachfolger experimentierte mit allen möglichen ephemeren (rasch vorübergehend) Wasserspielen wie schwimmenden Gärten und Brunnen, die seine Gäste überraschend nassspritzten.

Zu den Neuerungen, welche unter Akbar eingeführt wurden, gehörte eine elegante, wenn auch sehr zurückhaltende Verwendung des Wassers in den Gartenmausoleen. Das Wasser wurde mittels des persischen Rades aus ausserhalb des Garten liegenden Brunnen entnommen und in schmale Kanäle und Becken entlang den Hauptachsen des Gartens geleitet. (S.118)

Anfangs waren die in der Ebene gelegenen Mogulgärten in Bezug auf ihre Wasserversorgung vollständig von ziegelverkleideten Brunnen abhängig. Das Wasser wurde aus diesen Brunnen in Aquädukte gehoben, die auf den Gartenmauern verliefen, und in Kanäle geleitet, die häufig weniger als einen Meter breit und von kleinen erhöhten Wasserbecken sowie eleganten Brunnen skandiert waren, das Wasser wurde zu einem formalen Gestaltungselement. Die persischen und die zentral- und südasiatischen Gärten standen bezüglich ihrer Anlagen und des Wassers in einer gemeinsamen Tradition. Soweit es sich im strengen Sinne um 'islamische' Gärten handelte, legt der Koran eine gemeinsame Basis für den symbolischen Gebrauch des Wassers fest. Das Wort von den 'Gärten, welche Wasserläufe durchströmen' ist die häufigste Beschreibung des Paradieses, und das Wasser ist die wichtigste Komponente im 'islamischen Garten'. Unabhängig von ihren jeweiligen dynastischen Interessen wussten alle muslimische Herrscher, dass die Gärten dieser Welt in erster Linie als Zeichen und Symbole dienen und den Gärten des Paradieses bestenfalls ähnlich sein können.

Die Erfindung des Kreuzes und der Kreuzform; der islamische Garten

Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass die Kreuzform christlichen Ursprunges sei. Dies trifft aber nicht zu. Die Erbauer von Kreuzgängen, welche in ihren einfachen Gartenanlagen das Kreuz als Gestaltungselement verwenden, haben diese Form nicht aus biblischen Quellen entnommen, sondern haben sich auf frühere Gestaltungsformen der Römer und auch der Araber gestützt.

Oder etwa doch nicht?

Wenn wir den St.Galler Klosterplan betrachten (gezeichnet um 820 von Bischof Haito von Basel in Reichenau), finden wir im grossen Kreuzgang einen kreuzförmigen Grundriss. Leider wurde im grossen Symposium vom Juni 1957 über eben diesen Plan die Frage nach der Kreuzform nicht angesprochen. Natürlich ist die Form traditionell. Sie ist die Grundrissform beispielsweise der gotischen Basilika, nicht aber der romanischen. In eben diesem Plan weist die Kirche keinen kreuzförmigen Grundriss auf, lediglich die Dachform ist so ausgebildet, wenn man dem Modell Glauben schenken darf und das ist nicht sicher, ergeben sich aus dem Plan doch keinerlei Hinweise auf die dritte Dimension, die architektonische Ausführung und Gestaltung.

Doch stellen wir zunächst die Frage, welche Bedeutung die Kreuzform für die Entwicklung der Gartenkunst überhaupt hat.

Ist es nun aber die Kreuzform der Klöster, welche in West- und Südeuropa als Vorbild für die Gartengestaltung diente?

Ich denke kaum. Gerade für diese ideellen Bereiche erwiesen sich die Klöster und überhaupt die Kirche eher als hindernd denn als fördernd. Nicht nur in diesem Bereich war der Klerus keinenfalls bestrebt, mit Ideen öffentlich aufzutreten und sie als Allgemeingut zur Verfügung zu stellen.

Im damaligen Islam verhielt es sich vermutlich anders. Freiheit der Wissenschaft und der Kunst waren zwar nicht in unserem Sinne ein öffentliches Gut, aber das christliche Gebot der Armut und Enthaltsamkeit war im Islam nicht in der Art ausgeprägt und es war durchaus erlaubt, seinem Reichtum zu zeigen.

Und wenn wir die islamischen Gärten betrachten, stellen wir durchaus fest, dass unsere bekannten geometrischen Grundformen hier durchaus auch gängig waren. Dies verwundert nicht, gilt der Orient ja als Erfinder der Mathematik und der Geometrie.

Es sei vorweg genommen, dass der Begriff 'islamischer Garten' nicht sehr präzis ist, aber im Gegensatz zur christlichen Kunst kann im ganzen Islam durchaus eine gewisse Einheitlichkeit festgestellt werden, was auf den in vielen Bereichen des täglichen Lebens ausführlichen Koran hinzuweisen ist. Immerhin sei hier darauf hingewiesen, dass der Koran erst in den Jahren 650 - 700 geschrieben wurde.

"Was die muslimische Welt eint", schreibt Oleg Grabar, "ist weder der physikalische Raum noch sind es anthropologische oder sprachliche Gemeinsamkeiten; es ist vielmehr ein System von Glaubenshaltungen (mit vielen Varianten), von Traditionen, die allen bewusst sind, und von visuellen oder anderwertigen Zeichen, das seinen Ausdruck u.a. in der Architektur findet."

Allerdings hat es der Prophet versäumt, der Kunst und der Architektur Regeln zu geben. So hat der Islam niemals einen der klassischen Architektur vergleichbaren Kodex produziert; eher liebt er die Variationen zum Thema und die feine Angleichung. Fast immer geht in der islamischen Kunst die sophistische Idee eine Verbindung mit der volkstümlichen Tradition ein.

Aber der Islam hat es mit drei Archetypen zu tun, die drei verschiedenen präislamischen Ethnien entstammen: der arabischen, der persischen und der türkischen.

 

G r i e c h i s c h e G ä r t e n

Die Griechen hatten keine Gärten.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass sich in dieser hochstehenden Kultur keine Gärten ausbildetet, vor allem keine privaten Gärten. Es ist nicht so, dass man keine gefunden hätte, auch in der Literatur, und die ist bei den Griechen schon recht umfangreich, findet man praktisch keine Hinweise auf Gartenanlagen, mit Ausnahme der Parks mit den Gymnasien, den heiligen Hainen und in kleinem Umfang Prunkgräber.

Die vorhandenen Quellen belegen, dass der private Hausgarten in früher hellenischer Zeit, aber eigentlich auch später, immer ein reiner Nutzgarten war. Er fand sich in ländlichen Gegenden oder Ansiedlungen von Bauernhöfen im dörflichen Umfeld, so wie das alte Griechenland von weithin verstreuten Kleinsiedlungen geprägt war.

In den alten, sukzessiv gewachsenen Städten der Frühzeit wie Athen haben die Wohnhäuser unregelmäßige Grösse und Gestalt, sie grenzen direkt an die Strasse. Die hohe Bebauungsdichte dieser Städte im 5. und 4. Jh. liess die Schaffung von Grünflächen und Gärten im innerstädtischen Bereich nicht zu. In den geplanten Rasterstädten klassischer Zeit bestehen die Insulae aus Reihenhäuser, die Mauer an Mauer stehen und an die Strasse reichen. Die Durchschnittsgrösse der Baugrundstücke griechischer Städte lag bei 250m2. Auf dieser Fläche mussten Haus, Hof- und Nebengebäude untergebracht werden, so dass für einen Garten kaum Platz bleibt.

Nun drängt sich jedoch die Frage auf, ob zumindest der in allen Häusern vorhandene Innenhof als Garten gestaltet gewesen sei. Der relativ enge, ca. 50-60 m2 grosse Innenhof war meistens mit einem Estrichfussboden bzw. einem festen Belag aus Steinen, Steinplatten oder Mosaik versehen, der diese Fläche für eine Gartenanlage ungeeignet machte. Zudem ist zu bedenken, dass diese kleine zentrale Fläche als Freiluft-Arbeitsraum von Familienmitgliedern genutzt werden mussten. Aus einer hellenistischen Inschrift der Stadtverwaltung Pergamos, die auch für die klassische Zeit relevant ist, geht hervor, dass es ausdrücklich verboten war, Pflanzungen direkt an die Mauer eines Hauses zu setzen.

Die Frage ist, ob nicht in den ländlichen oder vorstädtischen Gebieten Gärten in Hausnähe lagen. In der Tat sind in der Literatur und in Darstellungen verschiedene Gartentypen erwähnt: Nutzgärten, Blumengärten, Baumgärten, Plantagen, Weingärten, Parks und Agorai, heilige Haine und Heiligtumsgärten, schliesslich Grabgärten.

Für Nutzgärten ist eine gemischte Anbauform aus Obstbäumen und Gemüsebeeten charakteristisch. Namentlich genannt werden Feigen, Maulbeerbäume, Myrte, Minze und Gemüse wie Kürbis, Salat und Zwiebeln.

Der Bedarf an Blumen zu keltischen Zwecken war gross. So wurden zum Zwecke der Zucht von Topfpflanzen und Schnittblumen Blumengärten angelegt, wo beispielsweise Rosen, Veilchen, Myrte, Lilien und Hyazinthen angepflanzt wurden.

Der bei weitem bekannteste Gartentyp im antiken Griechenland waren die Parks der drei ältesten Gymnasien in den Vororten Athens. Die Parks der Akademien bestanden aus bewässerten Hainen und Gärten an einem einer Gottheit oder einem Heros geheiligten Ort. Diese athenischen Parks besassen einen natürlichen Waldbestand und waren von Menschenhand um weitere Bäume und Anpflanzungen ergänzt worden. Die Haine entstanden im Zusammenhang mit den Sportanlagen oder Heiligtümern, die oft nach altüberlieferter
Tradition der Natur verbunden waren. Zu ihrer Ausstattung gehörten auch Bauten und Spazierwege, die Parks dienten allerdings nicht in erster Linie dem Müssiggang und der Erholung, obwohl der Aufenthalt in ihnen von den antiken Besuchern als durchaus angenehm empfunden wurde. Über die formale Gestaltung dieser Anlagen ist wenig bekannt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass es sich nicht um geometrische, sondern um freie Formen gehandelt hat.

Die Philosophen des 4. JH, Platon, Aristoteles, Theophrast und Epikur, gründeten in den grünen Vororten Athens ihre Schulen, die mit Gärten, Spazierwegen, Häusern und Statuen ausgestattet wurden.

Nach Plutarch liess Kimon nicht nur die Akademie bepflanzen, auch die Athener Agora (Versammlungsort) wurde nach seinen Anordnungen mit Platanen verschönert, die in den Feuchtzonen entlang der Drainage- und Bewässerungsleitungen am Rande der Agora standen. Sie dienten auch als Schattenspender.

Eigentliche Lustgärten waren den Griechen unbekannt, immer waren die Parks einem Nutzen zugewiesen.

Eine letzte Form sei erwähnt, deren Ursprung in Persien liegt. Dem Paradeisos oder Paradiesgarten begegneten die Griechen in Persien bereits im 5. oder 4. Jh. Es war dies ein exotischer, umzäunter Baum- und Tierpark, welcher der königlichen Jagd diente. Die eigentlichen Paradeisoi wurden später in hellenistischer Zeit in den Schriftquellen erwähnt, auf griechischem Boden aber waren sie immer als grosse, gemischte Plantagen in nichtstädtischen Gebieten gestaltet.

Immerhin war der Beruf des Gärtners bereits bekannt. Er zog Pflanzen, pflegte Bäume und ersetzte sie nach Bedarf durch Setzlinge, bewässerte und düngte sie. Ein anderes Berufsbild wieder war das des Gartenkünstlers oder Topiarius: Ihm oblag die künstlerische Ausgestaltung des Gartens mit Efeu sowie Büschen und Bäumen in geometrischen Anordnung. die Erfindung, Bäume durch Formschnitt als Figuren zu gestalten, wurde laut Plinius dem Römer Gaius Matius zugeschrieben. Womit wir bei den Römern wären.

Die Verfassung der griechischen Polis bildete den Rahmen, welche das ganze geistige, kulturelle und wirtschaftliche Leben umfasste. Rein räumlich gesehen war innerhalb der Städte praktisch kein Platz für Gärten vorhanden, andererseits verhinderte die wachsende Demokratie der Griechen ein wirtschaftliches aber auch geistiges Übergewicht einzelner Familien und Potentaten. Aus Palästen der vorhomerischen Zeit (Odyssee VII l12 ff) ist bekannt, dass Vor allem Gemüsegärten und Obstgärten vorhanden waren. Dieser ‘Hof’ war meist mit Mauern umgeben und enthielt Obstbäume, Trauben und Gemüse. Es bestand eine Art Forderung, dass in diesen Gärten zu jeder Zeit etwas blühen sollte. Häufiger als die Gärten sind in der homerischen Zeit die heiligen Haine erwähnt. Es waren dies die Hauptstätten der Götterverehrung. Diese Haine wurden mitunter sehr kunstvoll angelegt, z.T., von Bürgern ge- stiftet. Sie beinhalteten fast immer Opferaltare und auch Wasserläufe wurden durch sie gezogen (Quellen). An Blumen waren den Griechen nur Rosen, Veilchen, später auch Lilien, Krokus und Hyazinthen bekannt. Die Pflanzenkultur wurde durch die Sitte des Umkränzen der Köpfe bei heiligen Handlungen und Ehrungen gefördert. In späteren Zeiten wurden die Haine mehr und mehr zur gartenartigen Umgebung von Tempeln. Die Haine wurden später auch als Wettkampfstätte verwendet. Daraus entwickelten sich auch die Gymnasien. In der Zeit von Kimon 512 - 449 v.Ch. wurde das städtische Grün gefördert. Es entstanden Anlagen zur Zierde und auch als Übungsplätze. Die Gymnasien, welche als Lehrstätten dienten, waren baumbestandene Haine, die allerdings nicht sehr gross waren. Die vier grossen Gymnasien Athens lagen alle ausserhalb der Stadt und waren alle mit Parkanlagen reich geschmückt. Im III. Jahrhundert werden die Gymnasien als blühende Gärten geschildert, reich an Bäumen und mit Rasen bedeckt. Gymnasium = Sportstätte. Der Römer Vitruv beschreibt ein Gymnasium, welches er allerdings Palästra nennt. Er unterscheidet zuerst einen Peristyl, um den die verschiedenen Räume, in denen sich die Philosophen zu ihren Gesprächen vereinigen, ange- ordnet sind. Daran schliesst die Ringschule, eine Säulenhalle, xystos genannt. Dort wurden im Winter die Spiele bei schlechtem Wetter abgehalten. Neben diesem xystos befinden sich Nebenbahnen unter freiem Himmel, sog. xysta. Am Ende der xysta liegt meist das Stadion. Die xysta sind als Bosketts oder Platanenpflanzungen zwischen zwei Porticus angelegt. Die Gymnasien umschlossen aber auch schöne, reichbewässerte Gartenanlagen, Tempel, Altare und Schwimmbassins. Später, nach der Zeit Platos (429 - 347 v.Ch.) errichteten sich auch Privatleute solche Gymnasien, auch Akademien genannt. Dies waren in erster Linie Schulen, z.B. von Plato, Ptolemon, Epikur. Unter Alexander dem Grossen gelangten grosse Teile des Nahen Ostens unter griechische Herrschaft. In Alexandria und Antiochia entstanden unter griechischem Einfluss Gärten. Alexander war vor allem beeindruckt von den persischen Parks und den babylonischen Gärten. Die Hauptstrasse in Antiochia entsprach einem langen Porticus; auf der einen Seite befanden sich die Häuser, auf der anderen die Gärten. Diese waren mit allerlei Gartenhäusern, Bädern und Fontänen geschmückt Vor dem westlichen Tor gelangte man durch die wunderbare Gartenvorstadt, Heraklea genannt, durch Wein- und Rosenpflanzungen zum 7 ½ km von Antiocha entfernten Lustpark Daphne. Der grosse schattige Park hatte einen Umfang von 80 Stadien. Seine Quellen waren so überreich wie sonst nirgends, die 300 Zypressen wurden von der Seleukiden gepflanzt. Es befanden sich im Park vornehme Wirtshäuser, wo Weinranken bis in die Zimmer wuchsen, in den schattigen Gängen konnte man den ‘Duft der Blumenbeete einatmen. Das Peristyl setzte sich im griechischen Wohnungsbau durch. Rund um diese gliederten sich die Wohnräume an. Die meisten dieser Höfe waren gepflastert, doch wurden auch verschiedentlich Statuen gefunden. Es ist auch anzunehmen, dass einige Höfe mit Kübelpflanzen verziert wurden. Einige Ausgrabungen liessen aber auch darauf schliessen, dass zumindest Teile des Peristyls richtig bepflanzt wurden. Der Typus dieses griechischen Gartens setzte sich in der Tradition Roms weiter, aber er hatte auch Auswirkungen auf die byzantinische Kultur. Vor allem der Farmgarten wurde von den Römern praktisch übernommen.

 

R ö m i s c h e G ä r t e n

Das römische Landhaus

Das Erbe der hellenischen Entwicklung des Villengartens traten die Römer an. Anders als die späten Griechen lebten die Römer zuerst als Bauern auf dem Lande, im sog. Hortus. Der Reichtum der Römer lag durchaus im Ertrag der Äcker und des Gartens. Es war deshalb auch gesetzlich verboten, Äcker und Baumgärten zu vernachlässigen. In der letzten Zeit der Republik ist der Villenluxus in den Vordergrund getreten.

Neben dem Hortus, welcher nun Villa rustica (Meierhof) genannt wird, entstehen reine Wohnvillen, die Villa urbana (Herrensitz). Reichere Bürger besitzen mehrere dieser Villen. Bei der Villa rustica, über die man mehr weiss als über die Villa urbana, lag der Garten zunächst am Hause. Ein Brunnen oder ein Fluss sorgten für die notwendige Bewässerung. Die Bäume, Sträucher und Weinstöcke wurden in versetzter Reihe gepflanzt, was eine spezifisch römische Erfindung gewesen zu sein scheint (sog. Quincunx). Sehr häufig wurden jedoch beide Villentypen miteinander vermischt.

Die Villa rustica. wurde mehr und mehr von Verwaltern übernommen, während sich die Herren in der Villa urbana aufhielten. Es ist bekannt, dass diese Villa urbana einen Park umfasste, in welchem sich eine Akademie, ein Lyzeum, Porticus umfassten, ausgeschmückt waren sie Vor allem mit Plastiken, Bildern etc.. Es wurden Grotten gebaut, um Statuen aufzustellen; Pergolen, Wasserbassins, Bewässerungsanlagen wurden errichtet. Verschiedene römische Kaiser, allen voran Nero, bauten ihre Villen- gärten in der Stadt. Nero liess sich einen Park bauen, der sich über mehrere Kilometer durch die Stadt erstreckte. Er bestand aus ländlichen Gefilden, Bosketts, offenen Plätzen, Weinbergen, Jagdgründen etc.. Spätere Herrscher überbauten grosse Teile wieder. So entstand dort z.B. das Amphitheater oder die Thermen des Titus. Die Stadtwohnungen - und Gärten wurden gebaut, um möglichst viel Ruhe zu haben und vor dem Lärm der Stadt geschützt zu sein. Auch dienten sie als Schutz vor der Hitze, insbesondere die kühlen Sommerzimmer, welche sich im Untergeschoss von Gebäuden befanden. Belichtet wurden sie von einem Oberlicht. Diese Räume, aber auch andere Wohnräume, wurden oft mit Malereien, welche meist Gartenszenen darstellten, ausgeschmückt. Der Fremde hat dann das Gefühl, er würde sich in diesem Raum bereits im Garten befinden.

Die Gärten des Plinius

Plinius der Jüngere hat verschiedene Villen beschrieben. In unserem Beispiel handelt es sich durchaus um eine Villa urbana. Der Portikus (Hauptgebäude) umfasst den Hof (Peristyl), welcher mit Platanen bepflanzt ist, links und rechts davon befinden sich das Atrium mit Nebenräumen, sowie der Badeflügel. Dem Hof vorgelagert, durch eine doppelte Säulenreihe abgetrennt, vom Speisesaal auf der einen und dem Wohnsalon auf der anderen Seite abgegrenzt, der Ziergarten. (xystus). Es ist dies ein Vorgarten, welcher die doppelte Aufgabe hat, einerseits die Fassade zu schmücken, die Aussicht jedoch nicht zu verdecken. Dieser xystus ist hier auf verschiedene Terrassen unterteilt. Die oberste und grösste ist in verschiedene von Buchs eingefasste Beete unterteilt (in anderen Gärten können auch zierliche Lattenumzäunungen diese Aufgabe übernehmen), ebenfalls wurden erhöhte Springbrunnen aufgestellt. Von diesem Parterre führte eine Böschung zur nächsten Terrasse hinab, hier sind erhöhte Rabatten angebracht, die, aus Buchs gezogen, verschiedene Tiere darstellen. Die tieferliegende Terrasse ist mit Akanthus bepflanzt, welcher die Funktion des heutigen Rasens übernahm. Daran schliesst sich eine kreisförmige Anlage an, die von vielgestaltigem Buchs und Zwergbäumen eingefasst ist. Die Mauer, welche den Garten abschliesst, wird von Buchs kaschiert, um den Blick in die Landschaft nicht zu beeinträchtigen. weitere Gebäudegruppen liegen nördlich des Portikus hoch im Weinberg. Diese sollten den Eindruck des Landlebens vermitteln. Den dritten Teil der Villa umfasst den Park, welcher hauptsächlich durch das Hyppodrom gebildet wird. Dieses ist aus baumbestandenen Alleen (Platanen und Zypressen), dazwischen ziehen sich Buchshecken. Die inneren Kreise sind frei, hier sind Rosen gepflanzt. Auch verschnittene Buchsbäume (Kugeln, Buchstaben) sind vorhanden. Überall sind Marmorbänke aufgestellt, welche zum Ruhen einladen. Die ganze Anlage wird künstlich bewässert, wozu ein ausgeklügeltes Leitungssystem dient.

Die Briefe Plinius' d.J. zu den Römischen Gartenanlagen.

1) Plinius grüsst seinen Domitius Apollinaris; 5.Buch, Brief Nr. 6

Beschreibung des Gartens von Plinius in Etrurien. Er ist die Anwort auf ein Schreiben des Apollinaris, in dem dieser Plinius davor gewarnt hat, wegen des ungünstigen Klimas den Sommer auf seinem Landgut in Etrurien zu verbringen. Die Warnung des A. gibt Plinius die Gelegenheit, durch ausführliche Beschreibung des milden Klimas, der schönen landschaftlichen Umgebung seines Landgutes die Bedenken des Adressaten zu zerstreuen. Besonders bei der detaillierten Schilderung des Hauses erweckt Plinius den Eindruck, als führe er persönlich den Freund durch alle Räume des Gebäudes und mache mit ihm einen Rundgang durch die ausgedehnten Parkanlagen seines Besitzes. Der Schluss des Briefes führt dem Adressaten noch einmal deutlich vor Augen, dass das Landgut in Etrurien wegen der ungezwungenen Lebensweise, des gesunden Klimas und der Stille für Plinius ein Ort der Erholung und ungestörter Musse ist.

2) Plinius grüsst seinen Gallus; zweites Buch, Brief Nr. 17

Der Brief gibt eine sehr detaillierte Beschreibung des plinianischen Landgutes bei Laurentum, 25km westlich von Rom. Wegen der Ausführlichkeit stellt der Brief ein wertvolles Zeugnis für die Kultur- und Baugeschichte der römischen Kaiserzeit dar. Zu Beginn hebt Plinius die günstige Lage des Landgutes hervor und geht dann auf das Landhaus selbst ein, dessen Hauptgebäude und Seitenflügel er in allen Einzelheiten bespricht. Dabei fällt die Vielzahl der Zimmer auf, die ganz verschiedenen Zwecken dienen und die nach einem wohldurchdachten Plan angelegt sind. Mit einem Blick auf die umliegende Landschaft beschliesst Plinius die Darstellung seines Landgutes, das für ihn ein Ort der Musse ist.

Das Atrium-Haus

Ursprünglich hatte das alt-italienische Haus keine Gelegenheit zu einer Gartenentfaltung. Das Atrium, das den Kernpunkt bildet, um den sich die Wohnräume gruppieren, ist ein überdachter, gepflasterter Hof mit einer breiten Oberlichtöffnung, der auf dem Boden das Impluvium entspricht. Hier wurden höchstens Blumenkisten aufgestellt. Erst durch das Eindringen des griechischen Peristylhauses in Italien, mit seinem offenen Hof und dessen unbeschränkten Erweiterungsmöglichkeiten, konnte der Garten als Zieranlage mit Bosketts, Blumenbeeten und vielfacher Luxuszierart in das Innere des Hauses eindringen. In Pompejï ; ist das alte italienische Haus fast durchwegs mit dem griechischen Peristyl verbunden und zwar in der weise, dass das Atrium als gepflasterter Hof blieb und das dahinter liegende Peristyl zum Garten umgewandelt wurde, um das sich die eigentlichen Wohnzimmer der Familie gruppierten. Die Arbeiten von W. F. Jashemski (1979) brachten darüber grosse Aufschlüsse. _,, Das Herz und das Zentrum der pompejischen Häuser war der Garten, welcher Licht und Luft aufnahm und Verbindung schaffte zwischen den rundum angegliederten Räumen. Die Gärten unterschieden sich in ihrer Lage, der Gestaltung, der Funktion und der Pflanzenauswahl, aber auch die Rolle des Wassers oder der Skulpturen änderte sich. Einige grossen Villen besassen drei oder vier Gärten und selbst in den kleinsten Häuser war noch ein kleines grünes Fleckchen anzutreffen. Der Garten war in jedem Fall ein integraler Teil des Hauses.

Etliche waren als Peristyl-Gärten ausgebildet, aber anders als der rein architektonische Säulenhof der Griechen verstanden es die Römer, diesen Hof in einen lebendigen, wohnlichen Garten umzuwandeln. Heute wissen wir auch, welche Pflanzen verwendet wurden. Im Peristyl- Garten des Hauses von Polybius wurden die wurzeln folgender Bäume gefunden: eine Feige, eine Kirsche, eine Birne.oder Apfel, eine Olive. Sogar eine Leiter konnte ausgemacht werden. Auch wein wurde gezogen. Man fand einen Garten, wo niedere Sträucher formal gezogen wurden, aber auch andere, wo die Pflanzen in der regelmässigen Architektur sehr frei gesetzt wurden. Gemäss Plinius bevorzugten die Römer drei Arten von Blumen: Rose, Lilie und Veilchen. Matthiola incana (weisses Veilchen) und Cheiranthus cheiri (gelbes Veilchen) waren ebenso bekannt. Genista tinctoria, Centaurea cyanus, Celosia cristata, Calendula officinalis und weitere waren Pflanzen, die kultiviert und verkauft wurden. Auf Grund der wandmalereien ist es möglich, weitere Pflanzen zu identifizieren. So z.B. Mohn, Myrte, Lorbeer, Schneeball, Gänse- blümchen. Bei diesen letztgenannten Pflanzen kann nicht gesagt werden, in welcher Form sie in den Gärten verwendet wurden. Auf Grund von Wurzelhöhlen (diese entstanden, nachdem die wurzeln im Laufe der Jahrhunderte mineralisiert wurden) kann die pflanzliche Gestaltung teilweise gut nachvollzogen werden. So ist vermutlich der Garten des Polybius sehr stark ausgepflanzt gewesen. Nach dem Bau des Aequadukts unter Augustus wurden in den Privat- gärten auch Schwimmbäder erstellt, die dann mit Pflanzen formal umgeben wurden. Das jetzt reichlich vorhandene Wasser diente auch der Bewässerung der Pflanzen. Die formalen Gärten waren zur Hauptsache "Grün-Gärten", bepflanzt mit Lorbeer, Myrte, Oleander, Buchs, Rosmarin. Aber auch Blütenpflanzen wie Rosen, Lilien, Veilchen wurden verwendet. Die Gärten wurden meist visuell vergrössert mit vielfältigen Malereien. In erster Linie wurden die Wände des Peristyl-Gartens so bemalt, dass sie aus der Tiefe des Hauses vom Eingang her sichtbar waren. So wurde optisch eine grössere weite erreicht. Die Malereien beinhalteten denn auch meist Gartenmotive, die bezug auf die aktuelle Situation nahmen. In Fällen, wo der Peristyl nicht vom Eingang her sichtbar war, wie z.B. im Haus des Ephebus, wurde mittels Malerei der Porticus optisch vergrössert. Gemalte Kränze hingen zwischen den Säulen, vergleichbar mit den wirklichen Kränzen, die an Festtagen zwischen den wirklichen Säulen hingen. An Wänden, sei es im Peristyl oder in den Seitenräumen, wurden aber auch Malereien angebracht, um eine zauberhafte, liebliche Atmosphäre zu erzeugen.

Der römische Peristylgarten war mithin eine formale Verschmelzung des griechischen Peristylhofes und der statuengeschmücken öffentlichen Haine Griechenlands zu einer aus römischer Tradition erwachsenen Verbindung von Haus und Garten.

So scheint es, als würde im Haus der Venus Marina die Wand gleichsam verschwinden, und die Sicht öffnete sich auf das Meer mit der Venus, die sich in einer grossen Muschel räkelt, umgeben von zwei Amors. Beliebt waren Tierdarstellungen mit Vögeln, Hasen, Hunden, Pferden aber auch Allegorien. Immer aber standen die Malereien im Bezug zum Garten.

Wasser und Skulpturen im Garten

Das Angebot von aus dem Aquädukt abgeleiteten Wassers in ausreichenden Mengen förderte den Einzug von Wasserbecken und Brunnen in den Gärten. Die kleinen Wasserquellen erhöhten den Charme und die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten der Gärten. Das Wasserbecken bildete den Mittelpunkt vieler Gärten und beeinflusste in starkem Masse den gestalterischen Plan eines Gartens.

Das Wasserbecken war jedoch keineswegs das zentrale Element eines jeden Gartens. Viele Gärten besassen kein Becken, in anderen wiederum war es von sekundärer Bedeutung oder nur eines unter weiteren Gartendenkmälern. Kleine Gartenskulpturen zierten zahlreiche Gärten. Diese waren in den meisten Fällen aus weissem Marmor, wenn auch gelegentlich Bronce oder Muntmarmor als Material verwendet wurden. Hellenistische Sujets und Stilrichtungen sind in vielen Gartenskulpturen evident, doch ist auch der Einfluss der griechischen Plastik archaischer und klassischer Zeit auf die römischen Werke spürbar.

Wasser wurde sehr effektvoll in der Gestaltung der Gärten eingesetzt. Im Haus mit dem bronzenen Stier war die Rückwand des Gartens als eine prächtige Nymphäumfassade konstruiert, von der Wasser aus drei Aediculae (Wasserrohre) in ein grosses Becken hinunterfloss. Die Gärten im Haus des Loreius Tiburtinus und im Haus der Julia Felix besassen verschwenderische Wasseranlagen, die aus einem Ensemble von Becken, Brunnen, kleinen Brücken und Skulpturen bestanden.

Pflanzen im Garten

Pflanzen der formal angelegten Gärten, die von den lateinischen Autoren immer wieder erwähnt werden, sind Efeu, Buchsbaum, Lorbeer, Myrte, Akanthus, und Rosmarin. Diese scheinen überwiegend für Villengärten charakteristisch zu sein. Der Garten war zunächst ein 'grüner Garten' mit immergrünen Gewächsen bepflanzt, die je nach Saison um einige Blumen ergänzt wurden. Zu den jahreszeitlich wechselnden Gartenblumen zählten die weisse Myrte, der Efeu mit seinen grünlich-gelben Blüten, der weisse Schneeball, Chrysanthemen und die Madonnenlilie; farbige Akzente setzten die Rose, das Veilchen und der Mohn. Blumen spielten freilich allgemein eine untergeordnete Rolle im römischen Garten. Rosen, Lilien und Veilchen treten am häufigsten auf.

Öffentliche Anlagen

Auch bei den öffentlichen Bauten wurden Gärten angelegt. So pflanzte man in der Palästra (Sportschule) Bäume, welche den Schülern und der Bevölkerung von Pompeji als Schattenspender für gymnastische Übungen und Spaziergänge dienten. Die Freifläche zwischen Palästra und Amphitheater, die der Gesellschaft als Vorfahrt und Parkplatz diente, war ebenso baumbestanden. Öffentliche Freiluftbäder wurden in Gartenanlagen integriert, ebenso die verschiedenen Tempel. Pompeji und Herculanum hatten ihre ‘ öffentlichen Grünanlagen und es darf wohl geschlossen werden, dass es sich mit andern römischen Städten ebenso verhielt. Ein besonderer Typus bildet die Vorstadtvilla oder Villa suburbana. Diese hält sich in der Mitte zwischen den Stadtbauten und der Villa urbana. Vitruv verlangt in seinen kurzen Bemerkungen, die er an seine Ausführungen über das Stadthaus anknüpft, dass man in der Villa suburbana zuerst durch den Peristyl betreten soll, darauf die Atrien und dann der Portikus, welche auf die Gartenanlagen schauen sollen. Diese Villen waren in ihrer Ausdehnung wesentlich grosser als die Stadtvillen. In späteren Zeiten fehlten die Atrien in diesen Gebäuden. Die Dächer der Hauptstadt waren ebenfalls bepflanzt, die Römer bauten ebenfalls Gewächshäuser, um im Winter blühende Pflanzen zu ziehen. Es existierten im Übrigen bereits recht viele Handelsgärtnereien, der Kaiser Caligula baute sogar auf seinem Schiff einen Garten. Die Gartenkunst der Römer hatte im I. Jh. der Kaiserzeit eine Höhe erreicht, wie sie nicht mehr zu überschreiten war. Diese beschränkte sich allerdings nicht nur auf Rom, sondern dehnte sich auf die Kolonien aus.

D i e G ä r t e n d e s M i t t e l a l t e r s

In der ersten Periode des Mittelalters, in der Zeit grundherrschaftlicher Naturalwirtschaft kann von Gartenkunst noch kaum gesprochen werden. Jede bäuerliche Kultur sieht im Garten zunächst einmal das Nutzland, sucht in ihm Erfüllung ökonomischer wünsche. Das gilt im wesentlichen auch noch für das Gartenverhältnis der weltlichen Führungsschicht des früheren Mittelalters, für die Grundherren, deren grösster der König ist. Die Landgüterverordnung Karl des Grossen deutet das an. Sie ist zugleich ein Beleg für die Übernahme antiker Kenntnisse und Vorbilder, ähnlich wie die karolingischen Wirtschaftshöfe, die das Wirtschaftssystem und einzelne Bauelemente antiker Villen weiterführen. Aus dem Jahre 800 stammt die Capitulare de villis vel curtis imperii, welches Karl dem Grossen zugeschrieben wird. Im 70. Kapitel der Landgüterverordnung werden Gartengewächse aufgezählt, deren Anbau wohl empfohlen werden sollen. Dreiundsiebzig Gemüse und Kräuter werden in der Landgüterverordnung genannt, darunter Salbei, Raute, Rosmarin, Poleiminze, Liebstöckel, Mohn, aber auch Lilie Rose, Heliotrop und Malven; Blumen also, die hier als Heilkräuter genannt und betrachtet werden. Zahlreiche Obstarten wie Apfel, Birne, Quitte, Pfirsich, Kirsche und einige andere Gehölze werden aufgezählt, darunter auch solche, die im mitteleuropäischen Klima kaum gedeihen.

Klostergärten des frühen Mittelalters

Die Regula monachorum des heiligen Benedikt war massgeblich verantwortlich dafür, wie sich das Leben in den Klöstern abspielte. Das Prinzip der Arbeitsteilung, die strenge Zeitordnung des Arbeitstages und vor allem die Begründung eines Arbeitsethos, das sich der Verachtung manueller Tätigkeit im mittelalterlichen Herrentum entgegenstellte und das in der bürgerlichen Wertung der Arbeit nachwirkte. Die weitere, nun systematische Einführung und Verbreitung südlicher Gewächse, besser Obst- und Gemüsesorten, die Vermittlung gartenbaulicher Kenntnisse und gärtnerischer Techniken, das alles ist den Mönchen zu verdanken. Es ändert sich aber auch die Beziehung des Gartens zur Erotik. Der Garten wird als bevorzugter Ort heimlicher Liebe, als bevorzugter Ort der Liebe überhaupt schon von den Ägyptern besungen. Nun wird er aus einer entgegengesetzten Einstellung heraus zum Symbol unkeuscher, sündhafter Liebe. Der Klostergarten und die Klostergebäude sind in weiten Teilen den römischen Villen nachempfunden. So entspricht das Abthaus auf dem Klosterplan von St. Gallen in weiten Teilen der Porticus-Villa der Römer. Die Paradiese, die halbrunden offenen oder teilweise überdachten Vorräume vor der Hauptkirche, gemahnen an ähnliche Vorhöfe frühchristlicher Basiliken. Die Höfe waren teils ganz bepflanzt, teils aber auch gepflastert. Sie erinnern an Xystusgärten der Römer. Paradiese stellte man sich aber auch als Rosengärten vor, und auch dabei spielten mythologische Beziehungen eine Rolle. Über die Bepflanzung des Kreuzganges finden wir auf diesem Plan keine Angaben. Arkaden ziehen rings um den Hof und öffnen sich mit grossen Bögen in der Mitte der vier Seiten zu ihm. Überdachte Wandel hallen in unmittelbarer Angrenzung an Gartenanlagen und in ganzer Front zu ihnen geöffnet, kannten viele antike Villen, und wir dürfen in ihnen die Wurzel eines klösterlichen Brauches sehen, dem die Kreuzgänge gewidmet waren. Von der Mittelöffnung gehen gerade Wege aus und gliedern die Fläche in vier gleiche Quadrate. Die vier Flächen waren wohl entweder mit Gras ausgelegt oder mit Efeu bepflanzt. Blumen trugen sie in dieser Zeit wohl noch nicht, aber begrünt waren sie jedenfalls. Viele Autoren nehmen an, dass vor allem in Südfrankreich verschiedene Klöster auf den Fundamenten römischer Villen stehen und dass sich daraus Zwangsläufig die Form des Kreuzganges ergab. In der Mitte stand meist ein Brunnen oder ein Sodbrunnen, auch der Sadebaum (Juniperus sabina) wurde gepflanzt. Auch ein Arztgarten ist im Plan eingezeichnet. (Herbularis, Heilkräutergarten). Die Arten finden sich alle im Capitulare. Neben reinen Heil- und Gewürzpflanzen standen auch reine Zierpflanzen, was auf die Verwobenheit medizinisch-naturwissenschaftlicher, kultisch-magischer und ästhetischer Vorstellungen hinweist. Der Baumgarten des Planes hat eine Doppelfunktion. Er dient als Friedhof und als Obstgarten. Es werden fast ausschliesslich Obstarten aufgezählt: Apfel, Birne, Pfirsich, Haselnuss, Walnuss. Ferner Mausbeere, Quitte, Mandel und Lorbeer, Eberesche, Feige und Pinie. Der Gemüsegarten enthält in einem gestreckten Rechteck zwei Reihen mit je neun Beeten. Diese tragen Namen der wichtigsten Küchenkräuter und Gemüse, deren man bedurfte, um der Forderung nach vegetabiler Kost zu erfüllen. wir finden unter anderem: Zwiebel, Lauch, Sellerie, Coriander, Dill, Petersilie, Kohl. Die Bepflanzung der heute noch bestehenden Kreuzgänge entspricht nur in wenigen Fällen den ursprünglichen Vorbildern. An die Gunst der Besucher werden oft zu viele Konzessionen gemacht.

Der Hortulus des Walahfried Strabo (Abt der Reichenau 838-849)

Hier beginnt, unter glücklichem Stern, das Buch über den Gartenbau von Strabo

1. Vom Gartenbau

Zahlreich gewiss sind Zeichen und Vorzug des ruhigen Lebens,Nicht das Geringste ist es jedoch: der Rosenstadt PaestumKunst sich zu weihn in der Arbeit des garstigen Gottes Priapus.Was für Land du immer besitzest, und wo es sich finde,Sei's dass auf sandigem Strich nur Steine unfruchtbar lasten,Oder es bringe aus fetter Feuchte gewichtige Früchte,Liegend auf ragenden Hügeln erhöht oder günstig im weiten,Niedrigen Feld oder lagernd geschmiegt an die Lehne des Tales, -Nirgends weigert es sich, die im eigenen Gewächse zu zeugen,Wenn deine Pflege nur nicht ermattet in lähmender Trägheit,Nicht sich gewöhnt zu verachten den vielfachen Reichtum des GärtnersTörichterweise, und nur sich nicht scheut, die schwieligen HändeBräunen zu lassen in Wetter und Wind und nimmer versäumet,Mist zu verteilen aus vollen Körben im trockenen Erdreich.Dies entdeckte mir nicht landläufiger Rede Erkenntnis,Und nicht allein Lektüre, die schöpft aus den Büchern der Alten:Arbeit und eifrige Neigung vielmehr, die ich vorzog der Musse,Tag für Tag, haben dies mich gelehrt durch eigene Erfahrung.

So beginnt das Gedicht des berühmten Abtes der Reichenau, dem Kirchenrechtler, Liturgen und Botaniker. Es ist ein Gedicht, in dem neben einigen Betrachtungen über den Gartenbau in 23 Versen 23 Heil- und Zierpflanzen beschrieben und zwar hinsichtlich ihrer Morphologie, der medizinischen Wirkung, der Verwendung als Nutzpflanze, als Gewürz, Farbstoff usw. Dabei vergisst er nicht, auch die Schönheit der Pflanze zu würdigen.

Aus den allgemeinen gartenbaulichen Hinweisen und auch aus den Pflanzentexten lässt sich Garten der Reichenau recht gut rekonstruieren.

Die Gartenanlage

Das Gärtlein lag innerhalb der Klausur. Nach der Regel des hl. Benedikt soll das Kloster so angelegt sein, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle, Garten usw. innerhalb des Klosters befindet.

Ein quadratischer Innenhof (Atreolum) schloss sich, wenn man dem Text des Hortulus folgt, östlich an die Abtswohnung an und war von dort aus betretbar. Gegen Süden begrenze ihn die Mauer eines höheren Gebäudes. Ein Teil des Gartens blieb ohne Regen, will ein hohes Dach ihn bedeckte. Man könnte an ein Vordach im Atrium denken. Der Kürbis wurde in der Nähe einer Säulenhalle mit Rundbogen gezogen. Es muss sich um ein ziemlich anspruchsvolles Steinhaus gehandelt haben. Im Garten selbst lagen wohl unter Einschluss des Costus-Beetes (Frauenminze), zum Teil den Mauern entlang, in schönen Reihen. Die Beete waren von Hölzern begrenzt und gehäufelt, damit die Erde nicht auf die Wege wegrutschen konnte. Ein Zentrum, wie etwa im Kreuzgang des St.Galler Klosterplanes, fehlte. Dagegen entspricht Walahfrieds Garten in der Anlage und in der Bepflanzung ganz dem des Arztes, dem Herbularius, im Reichenauer Klosterplan in St. Gallen. Bei Ausgrabungen hat man festgestellt, dass sich am selben Ort bereits eine römische Villa befand, auf deren Grundriss mit dem Atrium man Teile des Klosters aufgebaut hat.

Bauerngärten

Im Hortulus Walahfrieds und im Herbularius des Klosterplans wird, von der Anlage und Bepflanzung her gesehen, ein Gartentyp beschrieben, der uns vor allem in den Bauerngärten bis in unsere Tage häufig begegnet. Zwanglos lassen sich Abweichungen auf dieses Muster zurückführen.

Das Wegkreuz war das Grundmass für die Aufteilung des Bauerngartens. Eigenes ungeordnetes Gutdünken bei der Gartengestaltung war undenkbar. Auch die Einfassung, die Anlage der Beete und die Funktion als Mehrzweckgarten lehnten sich an alte Vorbilder ab. Ebenso hielten sich die Pflanzen des monastischen Kräutergartens in Bauerngärten erstaunlich lang bis in unsere Zeit. Zwar kamen, vor allem auf Grund des Kontaktes mit dem Morgenland und der Neuen Welt, viele Pflanzen hinzu, doch erkaufte man die Bereicherung durch Neues nicht mit der Verarmung an Altbewährtem. In vielen später erschienenen Bücher über den Gemüse- und Nutzgarten werden diese Grundformen und Pflanzen wieder empfohlen. Sicherlich hat man sich gegenseitig abgeschrieben, aber diese einmal erfundene Einteilung erwies sich als zweckmässig.

Im Geviert der Bauerngärten ist Kräutersegen, Blumenzier und Gemüsebau innig vereint. Auch hier schämt sich die Rose nicht, neben dem Rettich, die Lilie nicht, neben dem Kerbel zu wachsen.

Der Lustgarten des Albertus Magnus

A.M. wagte es im XIII. Jahrhundert als einer der ersten, in einem wissenschaftlichen Werk, das Pflanzenreich zu behandeln und diese Kenntnis, mangelhaft zwar, bringt ihm das Studium orientalischer Quellen. Magnus geht es nicht mehr in erster Linie um den Nutzgarten, vielmehr ist er bestrebt, einen Garten für den Gaumen (Obst) und das Gemüt (Blumen) zu schaffen. Er richtet seinen Garten, gibt ihm eine Mitte, einen Abschluss.

Ein einfaches Ordnungsprinzip deutet sich an, ähnlich dem der Kreuzganggärten in der Betonung in der Mitte, aber auch anders als dieses, da hier keine Wege, von der umgebenden, zwingenden Architektur ausgehend, die Fläche gliedern, da hier ein Bauwerk überhaupt nicht genannt wird.

Albert Graf von Bollstädt (l193-1280) veröffentlicht in seiner Schrift die Ideen des Albertus Magnus: "Es gibt gewisse Plätze, die weniger dem Nutzen und reichen Fruchtertrag bestimmt sind, als dem Vergnügen. Diese werden viridantia oder viridaria genannt. Albertus nennt diese Gärten so, weil sie zur Ergötzung von vorzüglich zwei Sinnen dienen, nämlich des Gesichtes und des Geruches. Man bevorzugte stark duftende Blumen und Kräuter. ’Das Auge wird durch nichts so sehr erquickt, wie durch feines, nicht zu hohes Gras. Das kann aber nur auf einem mageren und festen Boden erzielt werden. Man muss also den Platz, der für einen Lustgarten eingerichtet werden soll, zuerst von allen Wurzeln reinigen, was kaum geschehen kann, wenn man nicht die Wurzeln ausgräbt, den Platz aufs beste ebnet und allenthalben mit kochendem Wasser übergiesst, damit die Reste der Wurzeln und Samen, die im Boden verborgen sind, verbrannt werden und nirgends keimen können." Der Rasen wurde nicht gesät, da kein Samen zur Verfügung stand, sondern mit Rasenstücken belegt. Dies gilt auch für die Gärten in den mittelalterlichen Burgen.

Die Aufteilung des Gartens: "Der Rasen soll in solchen Ausmassen angelegt werden, dass dahinter in einem quadratischen Ausschnitt alle Arten aromatischer Kräuter wie Raute, Salbei, Basilicum gepflanzt werden und desgleichen alle Arten von Blumen wie Veilchen, Akelei, Lilie, Rose, Schwertlilie und ähnliche." wir finden hier die beiden mittelalterlichen Gartentypen, den Rasen- und Baumgarten und andererseits den Kräuter- und Blumengarten vereint. "Zwischen diesen Kräuterrabatten und dem Rasen soll ein erhöhtes Rasenstück angelegt werden, voll lieblicher Blumen und ungefähr in der Mitte zum Sitzen geeignet, wo sich die Sinne erholen und wo man sich ergötzlich ausruhen kann." Selbst die Orientierung der Pflanzen wird beschrieben: "Nach Norden und nach Osten sei der Lustgarten geöffnet, wegen der Gesundheit und Reinheit der hier einströmenden winde. Nach den entgegengesetzten Windrichtungen, nach Süden und Westen sei er geschlossen, wegen der Heftigkeit und Unreinheit der winde. Auch wenn der Nordwind die Fruchtbildung verhindert, so bewahrt er doch in wunderbarer weise die geistige und körperliche Gesundheit der Menschen, wie ja vom Lustgarten Erquickung verlangt wird und keine Frucht." Wege sind im Garten nicht erwähnt. Das entspricht der mittelalterlichen Gartennutzung. Das Wasser wird nur in Form einer einfachen Quelle aufgeführt, vielleicht mit einem von Steinen gefassten Abfluss, weniger ausgearbeitet als in den Klostergärten.

Die Gärten der ritterlichen Gesellschaft (Zweite Periode)

Die eigentlich zentrale Epoche mittelalterlicher Gartenkunst hat damit ihren Schwerpunkt in der Zeit des Minnegesanges, der Kreuzzüge, in der Spanne des Überganges von der Romantik zur Gotik. Die Gartenkunst ist geprägt durch die Vordergründigkeit des weiblichen während dieser Epoche. Dieses ist überall zu spüren, in der Dichtung, im Mariendienst und auch in den Beziehungen zum Garten, in den Aussagen über ihn. Der Garten wird zum Sinnbild der Geliebten und ihrer Reize. Der hochmittelalterliche Baumgarten, der ritterlichen Gesellschaft als Lust- und Wohngarten dient, ist eng mit ihrem Leben, mit ihrem Denken und mit ihren Vorstellungen verbunden, so dass er zu einem bevorzugten Sinnbild wird.

Der Garten und seine Gewächse werden zu Sinnbildern irdischer Frauenschönheit. Die weiblichen Reize stehen im Vergleich zu Gartenblumen wie Rose, Lilie und Veilchen. Zum Ausdruck kommt dies vor allem in der Dichtung, z.B. Walther von der Vogelweide. Das erotische Moment ist in der Gartenkunst weit verbreitet und dauerhaft. Die Gartenelemente werden zur Umschreibung heimlicher Liebeslust im Garten benutzt. Die Blumenwiese, die den Liebenden als Lager dient, die Blumen, die gebrochen werden, der Bach oder der Brunnen, der die Lust versinnbildlicht. Hierin wird die sinnbildliche Beziehung zwischen Garten und Liebe manifestiert. Erst später verhindern christlich-bürgerliche Moralnormen, diese Beziehungen.

Der Garten dient auch als Mariensymbol. Die Gottesmutter wird immer mehr mit weltlichem Liebreiz umgeben. Irdische und himmlische Liebe fliessen ineinander und bedienen sich der gleichen Sinnbilder. Ganz ähnlich wie im irdisch-erotischen Bereich durch den Garten die Frau, die Geliebte und die ganze Minne versinnbildlicht werden, so finden wir im Überirdischen den Hinweis auf eine vierte Symbolbezeichnung, die nicht die Maria, sondern die Kirche und die ganze Christenheit meint. Es ist hier von der Identität von Paradies und Kirche die Rede.

In Quellen und Bachläufen der Gärten sieht Konrad von Megenberg ein Gleichnis der Heiligen Dreifaltigkeit: Eines entsteht aus dem andern und ist doch nicht das Gleiche. Der mittelalterliche Garten versinnbildlicht fünftens das Paradies, den Garten Eden. Diese Symbolbeziehungen werden vor allem durch Bilder und Zeichnungen belegt. Die Natur- und Gartensehnsucht erhielt nicht zuletzt mächtige Impulse durch die Notdürftigkeit und Unwirklichkeit der ritterlichen Behausungen.

Die Elemente des Burggartens sind der Baumgarten mit einer begeh- und bewohnbaren Grasfläche. Dies war der eigentliche Lustgarten, in dem man lebte und liebte. Er erscheint deshalb in den Texten als dominierender Typus. Zu seinen festen Bestandteilen gehören die Bäume, das Gras, die Blumen und zumindest ein Bach oder Brunnen. Bäche, Brunnen und Quellen gehören zu den Landschaftselementen, die sehr oft erwähnt werden. Wasser bedeutet Fruchtbarkeit, Leben, bedeutet das unergründbare Geheimnis eines Fliessens, von dem man nicht wusste, woher es kam, noch wohin es ging, Wasser trennte und verband, es war Segen und Gefahr. Andere Elemente, z.B. Rasenbänke sind nicht auf allen Burgen anzutreffen, das gleiche gilt von Zelten, auf die man in Beschreibungen stösst. Lauben werden ebenfalls genannt es gab davon vermutlich jedoch unterschiedliche Formen, z.T. auch als einfache Laubhütten. Die spätmittelalterlichen Darstellungen zeigen Rankgerüste mit Rosen und auch Umfriedungen, die heute noch üblich sind, werden angedeutet. Gebräuchlich waren auch Hecken aus Rosensträuchern.

Gärten, die im unmittelbaren Bereich der Burg keinen Platz hatten, wurden ausserhalb gebaut. Oft wurden sie mit Mauern umfasst, auch kleinere Häuschen, welche zur Pflege nötig waren, wurden gebaut. Aus diesen entstanden später die Sommersitze und Herrenhäuser. Bei der Burg wurden die Gärten keinem bestimmten Gebäude zugeordnet. Sie wurden dort angelegt, wo Platz war. Der Baumgarten lag in den meisten Fällen ausserhalb der Burg. Vom Garten aus hatte man meist keinen Ausblick auf die Landschaft. Diese Sicht war nur bedeutend für die maurischen Gärten der Spanier. Die Alhambra und die Gärten des Generalive besitzen Aussichtsterrassen, von wo aus man Stadt oder Landschaft beobachten konnte. Der Wurzgarten, als Gewürz-, Heilkräuter- und Blumengarten, wird viel seltener erwähnt als der Baumgarten. Er war vor allem Nutzgarten für die Küche, aber auch zu Heilzwecken gewesen.

Fortsetzung, zum 2. Teil

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